Aqua Camp

Eisschwimmen gut und schön, aber da geht doch mehr! Diese Gedanken haben mich mal wieder ins Wasser und an meine Grenzen getrieben. Warum muss ich immer so eine große Klappe haben und mich zu solch „dummen“ Sachen überreden lassen?

Als ich für das Aqua Camp von Christof zugesagt hatte, fühlte ich mich noch recht zuversichtlich. Zwei, drei Tage bevor es losging, war ich mir echt unsicher, ob dieses Camp was für mich ist! Aber nichts desto trotz fuhr ich am 11. August gen Fuschl am See in Österreich. Dort traf ich auf die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen ich schon 3 Personen vom Eisschwimmen kannte. Coole Truppe…

Dann ging es aber Schlag auf Schlag und ich stand im Neoprenanzug in Strobl am Wolfgangsee und blickte gen Horizont. Und was ich da sah, ließ mich an meinem gesunden Menschenverstand zweifeln! Da hinten SOLL es irgendwo ein Ende geben? Die lügen doch… Und da soll ich auch schwimmend hin? Obelix würde sagen: Die spinnen, die Schwimmer!

Aqua CampAlso zog ich noch meine Flossen an (irgendwie muss ich mit den Profis ja mithalten) und sprang ins Wasser. Unser Neoprenanzug trug mich eine ganze Weile auf der Wasseroberfläche, aber irgendwie kam ich nicht vorwärts! Die anderen Teilnehmer entfernten sich immer mehr von mir und dem Ufer und ich begann schon an mir zu zweifeln! Was machst du hier? Warum machst du das? Hast du sie noch alle? Nach grandiosen 400 Metern wollte ich schon den Anker werfen und wieder zurück an Land. Aber das hat Christof nicht durchgehen lassen! Du bist im Wasser und dort bleibst du! Dank eines gelben Gummiseiles und einem Elektroboot, welches Christof als Begleitboot angemietet hatte, konnte ich meine Geschwindigkeit steigern und schwamm irgendwann dann wieder im Pulk mit den anderen Teilnehmern. Und damit die Cracks sich noch etwas anstrengen, wurde ich irgendwann auch vom Boot getrennt und hinter Julia Wittig gebunden. Und kurz vor dem Ende hat mich Christof himself bis ans Ende des Sees gebracht! So habe ich – mehr oder weniger – die komplette Strecke von 10,5 Kilometern schwimmend zurückgelegt! Wahnsinns Leistung aller Beteiligten! Anschließend wieder aufs Elektroboot und fast 2 Stunden zurück nach Strobl. Im Hotel eingetroffen, konnten Christof und ich dann endlich auch unser Zimmer beziehen – ja, ich habe mit Christof in einem Doppelbett geschlafen – und uns endlich dem Abendessen widmen. Aber schon da spürte ich, dass etwas mit meinen Schultern nicht stimmt! Und auch mein Nacken machte Macken… Nachts saß ich dann eine ganze Zeit auf der Bettkante, da ich nicht schmerzfrei liegen konnte! Mir tat alles weh! Und vorbei war das Camp noch lange nicht!

Aqua CampAm Freitag sollte dann ein ruhigerer Tag eingelegt werden. So ging es nach dem Frühstück mit dem Wagen auf die andere Seite des Fuschlsees und alle hatten schon wieder richtig Lust, sich in die Fluten zu stürzen. Und obwohl mir meine Schultern und mein Nacken richtig Schmerzen bereitet hatten, lehnte ich das Angebot von Christof ab, mich wieder einmal ziehen zu lassen! Ich also rein ins Wasser und mich mal ganz ruhig bewegen…es ging! Also schwamm ich weiter und als Christof, der mich auf einem SUP stehend begleitet hatte, sagte, dass die Hälfte vom See nun geschafft ist, dachte ich mir nur: So ein Mist! Also noch einmal diese Strecke. Aber ich hielt durch und schwamm durch den kompletten Fuschlsee…4,2 Kilometer OHNE Hilfe! Stolz wie Oskar stand ich am Rand und machte den MP! Er holte seine 4. Goldmedaille bei Olympia und ich durchschwamm einen See von 4 Kilometern Länge! Am späten Nachmittag zog es die Teilnehmer noch zu einer Runde Techniktraining ins beheizte Freibad, an welchem ich nicht teilnahm! Ihr wisst schon…Nacken und Schulter…

Der Höhepunkt vom AAqua Campqua Camp folgte dann am Samstag, den 13. August. Auf nach Seewalchen am Attersee und dort rein ins Wasser. Das Ziel der Teilnehmer war Unterach, was etwas mehr als 18 Kilometer entfernt liegt! Da ich solch eine Strecke als für mich nicht bezwingbar ansehe, legte ich mich in den Dienst der Gruppe und verzichtete auf diesen Höhepunkt! Olaf und ich fuhren wieder nach Unterach, bestiegen dort ein gemietetes Elektroboot und fuhren den Schwimmerinnen und Christof entgegen. „Wir werden hier von Seewalchen auf die Ecke dort schwimmen und uns dann immer ziemlich rechts halten!“ Dies war der Plan, damit wir uns nach gut 3 Stunden treffen würden. Also wurde auf dem SUP etwas zu essen und trinken deponiert, Christof band sich dieses an seine Füße und zog es hinter sich her. Olaf und ich also das Boot beladen und im ersten Gang den See hoch! Der Satz des Bootsvermieters ging uns allerdings nicht aus dem Kopf: „Mit voller Leistung hält die Batterie knapp 5 Stunden!“ Drei Stunden hoch bis zum Treffpunkt und dann die Gruppe begleiten… das wird knapp. Also sind wir nur im ersten Gang gefahren und haben aber durch zwei Paddel die Geschwindigkeit steigern können. Aber wie findet man sich auf diesem großen See? Wir fuhren fast ganz hoch, sahen aber leider nicht die Gruppe! Was nu? Langsam wieder zurück und dann schauen wir noch genauer. Aber auch hier haben wir keinen Erfolg gehabt… Somit entschlossen wir uns, wieder bis zum Bootsverleih zu fahren und auf Nachricht zu warten. Vielleicht sind sie ja raus aus dem See und mit einem Taxi bis nach Unterach gefahren? Also wir wieder zurück und als wir mit nichts mehr gerechnet hatten, sahen Aqua Campwir eine Gruppe von Schwimmern und einem SUP, auf welchem niemand stand! Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß und so sprang Olaf dann auch ins Wasser und schwamm die restliche Strecke mit den drei Mädels gen Unterach. Christof ging nun auf sein SUP und betreute zwei Schwimmerinnen und ich die anderen beiden. Und nach grandiosen 18,3 Kilometern erreichten sie ihr Ziel bei einer Schwimmzeit von 6 ½ Stunden. Insgesamt wurden 7 ½ Stunden benötigt, da doch einige Pausen nötig waren. Aber auch hier kann man nur wieder seinen Hut ziehen, vor der Leistung von Conny Prasser, Susanna Patzig und Birgit Bonauer.

Am Sonntag schwamm MP gegen 4 Uhr morgens und erreichte wieder eine Medaille und ach wir nutzten den frühen Morgen und gingen gegen 04.45 Uhr ins dunkle Wasser des Fuschlsees. Wir schwammen nur etwas und wollten den Sonnenaufgang genießen, was die umliegenden Berge leider nicht so mit sich machen ließen. Aber nun hatten wir Lunte gerochen und fuhren noch mit den Autos zum Krottensee, welcher ein kleiner, aber etwas kühlerer See in der Gegend ist. Nun konnte ich mit einer doppelten Seequerung in Eigenregie punkten und schwamm hin und zurück! Insgesamt vielleicht eine Strecke von 800 bis 900 Metern… das war ein Klacks!

Nun wurde am restlichen Sonntag das tolle Wetter genossen, indem wir das mitgebrachte Floss zu Wasser ließen und uns in Eigenregie über den Fuschlsee zogen. Das war ein schöne Abschluss des Camps in Österreich.

Aqua CampAber zu Ende war es noch nicht ganz. Der Montag bot nochmals ein Highlight, welches nicht viele Menschen so erleben werden. Mit einer Sondergenehmigung darf Christof mit seinen Gruppen durch das Naturschutzgebiet des Königssee schwimmen. Und so fuhren wir bis nach Schönau am Königssee und stiegen dort ins Wasser. Oder ins Boot, so wie Christof und ich. Zu diesem Schwimmen wurde die Gruppe wieder durch Julia Wittig und Stella Wandratsch verstärkt. Und somit schwammen 5 junge Frauen durch den See und Christof und ich im Ruderboot hinterher. An der Schallwand vorbei sowie an der kleinen Kapelle St. Bartholomä im Vordergrund des Watzmanns bis zum Ende des Sees an der Saletalm. Das tolle Wetter und der ruhige See machten diesen Abschluß noch einmal ganz besonders. Da das Ruderboot wieder zurück nach Schönau musste, erbarmte sich Christof und fuhr wieder die Strecke zurück, während die 5 Mädels und ich mit einem Elektroboot fuhren. Da das Aqua CampWetter aber nicht mehr so toll war, wie während des Schwimmens, musste Christof in St. Bartholomä erst einmal runter vom See und sich vor dem Gewitter in Rettung bringen. Das Boot fuhr mit uns aber einfach weiter bis zur zentralen Anlegestelle, an der es auch wieder sonnig und trocken war. Und so warteten wir auf Christof. Als er mit dem Ruderboot ankam, wurde noch zusammen gegessen und dann trennten sich unsere Wege.

Ich möchte mich nochmals bei Christof Wandratsch für die Orga und Durchführung bedanken. Es waren tolle Tage, in denen ich meine bisherigen Grenzen im Schwimmen aufgezeigt bekommen habe, welche aber sicher nicht starr sind, sondern flexibel! Dann ein großen Respekt an Susanna Patzig, Birgit Bonauer, Conny Prasser und Olaf Karstendiek, die das gesamte Camp von vorne bis hinten durchgezogen haben. Stefan Jung, Julia Wittig, Robert Lenzbauer und Stella Wandratsch haben uns dann einzelne Tage mit ihrem Engagement und Tempo versüßt.

Keep Frozen und immer die Nase über der Wasserkante

Mark Koitka