Begleitend zu unserer Schwimmsporthistorie wollen wir auch die Entwicklung der Bademode ein wenig unter die Lupe nehmen. Denn bis zur heutigen Bademode aus schnelltrocknenden Hightech-Stoffen war es ein spannender, langer Weg. Heute blicken wir auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

In der Zeit des Nationalsozialismus galt die Devise „Kraft durch Freude“. Sport wurde zur Körperertüchtigung propagiert, die Schwimmanzüge dieser Zeit waren bestimmt von funktionellen anstatt modischen Aspekten: schlichte, sachliche Badeanzüge aus Wolle, ohne jeglichen Schnickschnack. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Zuge der Besetzung Deutschlands durch die Amerikaner nahm der amerikanische Einfluss auf Europa auch in der Bademode zu. Freizügigkeit wurde immer populärer und die Moralvorstellungen und Sitten weichten auf. In den Vereinigten Staaten wurden in den 1930er Jahren die ersten Badehosen mit Gürtel getragen.

Feminin mit gebräunten Dekolletés in den 50ern
Mit der Reisewelle der 50er Jahre, vor allem zur Nordsee und zur italienischen Adria, erlebte auch die Bademode in Europa einen Boom. Bei den Damen waren vor allem feminin wirkende Modelle angesagt, weshalb der einteilige Badeanzug dominierte. Er wurde ohne Träger getragen, weil man großen Wert auf gebräunte Dekolletés legte. Die Oberteile der Badeanzüge waren wie ein Mieder geschneidert, Taillen und Hüften sollten schmal wirken. Die meisten Badeanzüge wurden damals aus Perlontaft gefertigt, aber auch Baumwolle oder Wolle wurde verwendet. Junge Frauen trugen dazu Pumphöschen oder Ballerinaröckchen. Mitte der 1950er Jahre wurden dann bei Männern sehr kurze, eng anliegende Badehosen populär.

Ursula Andress mit legendärem „Dr. No Bikini“
Noch 1957 galt der Bikini als unmoralisch, was sich aber in den 60ern ändern sollte. Spätestens als Ursula Andress 1962 im James-Bond-Film in einem weißen Bikini mit Gürtel dem Meer entsteigt, wurde der Bikini salonfähig. Der „Dr. No Bikini“  animierte die Bademoden-Designer zu völlig neuen Kreationen, neu entwickelte Materialien wie beispielsweise Nylon, wurden verwendet. In den 70ern waren dann die Mini-Bikinis, deren Büstenhalter keine Einlagen oder Verstärkungen mehr hatten, mit möglichst wenig Stoff deutliches Zeichen der sexuellen Befreiuung. Erste sonnendurchlässige Stoffe bescherten zudem nahtlose Bräune.

Es folgten Tanga-, String-Bikini und Monokini, Tankini, Microkini, Skirtini -> (Badeanzüge mit Röcken), eingearbeiteten Beinen oder Ärmeln, für Fitness- und Wettkampfschwimmerinnen immer funktionellere sportliche Schwimmanzüge. Männer bevorzugen klassische Shorts oder die etwas länger geschnittene Boardshorts  als lässige Beachwear, sportliche Schwimmer steigen mit kurzen engen Badehosen oder Jammers bis zum Knie mit geringem Wasserwiderstand ins Becken. Heute ist die modische Auswahl extrem breit und die Materialien werden immer funktioneller. Schön: Auch in der Bademode spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Immer mehr Hersteller zeigen Verantwortung und setzen immer öfter recycelte Materialien für ihre neue Kreationen ein.

Repreve Modell Amelia