Oliver Halder erzählt ausführlich, wie es zu der Idee kam, Organisator der Bodenseequerung zu werden. Seine Erfahrung: sehr viele unterschätzen den Bodensee!

Seit wann betreust du als Veranstalter mit WOW Art diese Strecke?
Wir haben mit der Aufzeichnung der Bodenseequerungen im Jahr 2012 begonnen, also jetzt mittlerweile das 5-jährige Jubiläum. 😉

Wie kam es dazu, wie entstand diese Idee? Hat Deine Karriere als Veranstalter damit begonnen?
Karriere? Oha (Ausruf des Erstaunens und zeitgleich meine Initialen) J Als Karriere habe ich mein Wirken eigentlich bislang nicht gesehen, aber es freut mich, wenn mein Engagement so interpretiert wird und macht mich natürlich auch ein bisschen stolz.

Wie die Idee zur Bodenseequerung entstand ist relativ einfach zu beantworten. Wir haben in den Jahren 2011/2012 den Extremschwimmer Bruno „Orca“ Dobelmann betreut. Nach seinem erfolgreichen Finish der Fehmarnbelt-Doppelquerung, die bislang nur ihm gelang, waren wir auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Da Bruno in Stuttgart lebt, übt natürlich das „Schwäbische Meer“, wie der Bodensee hierzulande genannt wird, eine starke Anziehungskraft aus. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, den Bodensee in seiner Länge zu überqueren, sagte er ja. Da es leider dort niemanden gab, der sich mit der Aufzeichnung der geschwommenen Querungen beschäftigt, habe ich das übernommen. Also so jedenfalls in sehr kurzer Ausführung, rein theoretisch. Praktisch hängt da natürlich einiges mehr dran und würde den Rahmen hier sicher sprengen. Danach habe ich noch 2013 die Bodyrafting-Challenge ins Leben geholt und dann gemeinsam mit Christof Wandratsch die „Ice Swimming German Open“, die ja dieses Jahr, bei der dritten Auflage, sogar die Weltmeisterschaft ausgerichtet hat.

Was umfasst denn eine Betreuung durch Euch?
Weniger als vermutlich angenommen wird. 😉 Und doch mehr, als man sieht.

Grundsätzlich stellen wir das Reglement, nach dem die Bodenseequerungen geschwommen werden. Wir stehen selbstverständlich den Schwimmer/Innen, mit unserem Wissen im Vorfeld und bedingt auch während des Schwimmens zur Verfügung. Das alleine ist sicher nicht unwichtig. Aber, es muss abgerufen werden, da wir uns nur flankierend in die Vorbereitung und das Schwimmen einmischen.

Eigentlich ist es komplett die Sache des Teams und der Schwimmer. So ist es auch am Team, ein entsprechendes Begleitboot zu organisieren. Eventuell ein Boot zur Vorhut hinzuzunehmen und ein Shuttle-Boot verfügbar zu halten etc. Es ist, wie gesagt, eine logistische Herausforderung. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und es als Expedition bezeichnen wollen. Oftmals wird das Vorhaben hier sicher zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Wir stehen, wie gesagt, zur Verfügung wenn wir gefragt werden. 😉 Ich/wir sind dann beim Schwimmen selbst mit an Bord des Begleitbootes, um die Einhaltung des Regelwerkes und das Führen des Schwimmerlogbuchs zu überwachen und zu unterstützen. Bestenfalls natürlich eine erfolgreiche Bodenseequerung zu bescheinigen, oder leider, wenn es erforderlich ist, auch eine Querung abzubrechen. Dabei berichten wir live vom Begleitboot, was über unsere Facebook-Seite verfolgt werden kann. Bei erfolgreicher Querung stellen wir eine Urkunde mit den Daten aus, geben einen individuell gravierten Glaspokal in Auftrag, sowie ein Finisher-Shirt und verzeichnen die Querung auf unserer Webseite.

Welche Möglichkeiten bietet ihr an? Bietet Ihr hier Pakete an und welche Inhalte umfassen diese?
Es gibt drei verschiedene Bodenseequerungen, die wir verzeichnen. Die kurze Breitenquerung, von Friedrichshafen nach Romanshorn, mit einer Länge von ca. 12 km. Dann die Dreiländerquerung, die in Deutschland (Lindau) startet und über die Schweiz (Rorschach) führt, wo man kurz an Land gehen muss und dann in Österreich (Bregenz) endet. Sicher sehr eindrücklich, da es etwas ganz besonderes sein sollte, drei Länder schwimmend zu erreichen. Die längste Distanz kann bei der Längsquerung des Bodensees geschwommen werden. Mit ca. 64 km Luftlinie gehört dieses Schwimmen sicher zu den längsten und schwierigsten Unterfangen weltweit. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Distanzen im Neoprenanzug zu schwimmen oder dafür Staffeln zu bilden. Da wir kein Organisator der Schwimmen sind, sondern diese nur verzeichnen und überwachen, bieten wir hier auch keine Pakete an. Selbstverständlich verfügt ein Teil unserer Helfer über Bootsführerscheine, Kontakte zu Bootsvermietern usw. Doch die Organisation ist Sache des Schwimmers. Lediglich die Breitenquerung, kann über uns inklusiv dem Begleitboot gebucht werden, um diesen Vorgang zu vereinfachen.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich mich dafür interessiere?
Das kommt ganz darauf an, was der Schwimmer und sein Team für notwendig betrachten. Wir steuern zwar die Anforderungen ein wenig durch das Regelwerk, setzen damit aber lediglich minimale Anforderungen, wie z.B. die Größe des Begleitbootes. Damit wollen wir verhindern, dass jemand auf die glorreiche Idee kommt und eine Längsquerung im Kajak zu begleiten versucht. 😉
Eine Bodenseequerung ist, wie jedes andere individuelle „Rennen“, an dem kein Massenstart erfolgt, bei dem sich die nicht ganz unerheblichen Kosten auf viele Teilnehmer verteilen, von den Kosten her nicht zu unterschätzen.
Anmeldung, mit Begleitboot kann je nach Zeitfenster und Saison, bei der kurzen Breitenquerung, zwischen 1.000 – 1.500 Euro liegen. Die längere Dreiländerquerung ist zwar im Verhältnis auf die Distanz gesehen günstiger, liegt aber je nach Begleitboot sicher zwischen 1.800 und 2.500 Euro. Für eine Längsquerung sollte man auf jeden Fall ein Budget > 3.000 Euro veranschlagen, wenn man nicht auf Kosten der Kosten einen Abbruch riskieren will, oder damit keinen reibungslosen Ablauf hinbekommt.

Welche Rahmenbedingungen müssen seitens der Teilnehmer erfüllt sein?
Sie sollten sich im Klaren sein, auf was sie sich mit der Teilnahme an einer Bodenseequerung einlassen. Wir hatten schon viele Schwimmerinnen und Schwimmer am Bodensee. Es waren Weltmeister und Weltrekordhalter dabei, die weltweite Erfahrungen im Freiwasserschwimmen haben. Aber, es war noch keiner dabei, der egal bei welcher Querung, aus dem Wasser kam und sich unterfordert gefühlt. Somit lassen wir uns im Vorfeld durch einen Dauerschwimm-Test nachweisen, das die-/derjenige wirklich lange Zeit schwimmen kann und auch bei entsprechenden Wassertemperaturen.

Ein Start ist nur möglich, wenn der Nachweis erbracht wurde und die Temperatur des Wassers am Start, nicht mehr als 1,5°C, von der nachgewiesenen und trainierten Temperatur nach unten abweicht. Bei einer Längsquerung beträgt die Zeit des Nachweises beispielsweise 8 Stunden. So kann man getrost sagen, dass man schon mit einer Anmeldung mehr Schwimmvermögen nachweisen muss, als dies ein „Otto-Normalschwimmer“ jemals haben wird. Zusätzlich benötigt jeder Teilnehmer ein ärztliches Attest, das bestätigt, dass die-/derjenige gesund ist diese Herausforderung zu bestehen. Wer bei uns im Begleitboot sitzt, um an den Start gefahren zu werden, hat sich bereits größten Respekt verdient.

Wie ist der Ablauf, wenn man sich für eine Bodenseequerung bei Euch anmeldet?
Einfach -> Besuch auf unserer Webseite: www.bodenseequerung.de. Alles gut anschauen, unter Umständen anrufen, mailen oder sonst wie Fragen stellen. Dann das Anmeldeformular ausfüllen und an uns senden. Danach warten, bis von uns eine Bestätigung erfolgt. Wenn diese vorliegt, sollten umgehend das Begleitboot und die Skipper gebucht, das eigene Team gebrieft und das Training begonnen werden. Innerhalb der gegebenen Fristen, dann noch die Formblätter zum Schwimmvermögen und die ärztliche Bescheinigung einreichen und los geht das Abenteuer Bodenseequerung.

Warum ist eine Betreuung unbedingt zu empfehlen? Was ist der Vorteil?
Es ist weniger die Betreuung, die hier empfohlen werden muss, sondern das Bewusstsein, dass man sich hier auf eine Reise begibt, die von der Norm weit abweicht. Keiner käme sicher auf die Idee, mal kurz den Mount-Everest zu besteigen, ohne entsprechende Vorkehrungen zu treffen, bzw. sich mit Profis darüber auszutauschen.

Ich habe hier jetzt bewusst den höchsten Berg gewählt, um dem Großteil der Leser ein entsprechendes Bild zu zeichnen. Beim Schwimmen ist das sehr gefährlich, da das ja fast jeder kann. Und ins Wasser steigen kann man auch überall am Bodensee. Selbstüberschätzung jedoch ist eine große Gefahr. So ist es sicher nicht ungewöhnlich, wenn hier aus einer Bierlaune heraus, am Stammtisch, der glorreiche Entschluss gefasst wird, mal kurz durch den Bodensee zu schwimmen. Wasser hat keine Balken und ein Stolpern hat keinen verstauchten Knöchel zur Folge, sondern den Tod. Wir als Organisation helfen das Bewusstsein auszubilden, dass man einen solchen Start niemals auf die leichte Schulter nehmen sollte. Auch wenn die Querungen möglicherweise, von der Ferne betrachtet, einfach gelingen und wir eine unglaubliche Erfolgsquote bei unseren Startern haben, bedeutet das lange nicht, dass jeder einigermaßen geübte Hobby-Schwimmer, diese Strecke schwimmen kann.

Deshalb ist es wichtig, das Bewusstsein der potenziellen Schwimmer/Innen, so zu steuern, dass allein die Lektüre des Regelwerks, einen „Laien“ von einem Start abhält.

Bisher sind ja schon einige namhafte Langstreckenschwimmer diese Strecke geschwommen? Mir fallen hier sofort Christof „Wandi“ Wandratsch, Mirjam Schall, Bruno Baumgartner und Bruno Dobelmann ein… Was war denn das Spektakulärste, was Euch hier passiert ist? Und was war das Seltsamste, Kurioseste?
Diese Frage wird oft gestellt und von Saison zu Saison wird das Repertoire sicher größer. Hier eine einzelne Situation herauszupicken wäre falsch. Alle zu beleuchten wäre unmöglich. Ich könnte ganze Bücher damit füllen, so spektakuläre Dinge habe ich auf dem Bodensee erleben dürfen – oder müssen? Aber um es in möglichst wenige Worte zu fassen und wirklich nur die spektakulärsten Punkte zu nennen, hier ein Auszug:

  • Drei Gewitterzellen und wir in der Mitte
  • Seil in der Schiffsschraube morgens um halb 4
  • Motorschaden am Begleitboot morgens um 3
  • Aufgabe, wegen akuter Lungenentzündung, 500m vor dem Ziel und 60 km nach dem Start
  • Aufgabe der Längsquerung nach nur 11km wegen Nierenproblemen
  • Windstärke 6 und hohe Wellen
  • Halluzinierende Schwimmer
  • Fähre mit Notbremsung auf uns zukommen sehen
  • Kreuzende Schnellboote in die Flucht geschlagen
  • Jeder einzelne Zieleinlauf, immer wieder …


Bei manchen Querungen ist man ja doch gut einen Tag im Wasser. Was sind hier Eure Erfahrungen? Was sind die besten Startzeiten und wonach richten sich diese?
Nicht der Tag ist das Problem, es ist die Nacht. Dementsprechend wird meistens Sorge getragen, dass man möglichst „unbenachtet“ durch das Rennen kommt. Bei einer Längsquerung lässt sich das natürlich nicht vermeiden. Hier zählt dann die Kalkulation, dass man möglichst kein zweites Mal in die Nacht muss. Die wichtigste Entscheidung zur Startzeit liegt jedoch in der Wetterprognose. Die ist das A&O. Eine Breitenquerung ist da verhältnismäßig einfach zu planen. Hier kalkuliert man zwischen 4 und 6 Stunden. Bei einer Dreiländerquerung wird das schon schwieriger, da man früh am Morgen starten sollte. Doch gerade hier ist es besonders spannend, weil in den Morgenstunden meistens starker Wind in diesem Revier herrscht. Es gibt also viel zu tun, für den Schwimmer und sein Team. Da ist dann Taktik gefragt und Vorbereitung. Das wird oft sehr unterschätzt. Und, das ist auch ein Grund, warum wir diese Herausforderung nicht als Einzelsport sehen, sondern als Team-Event. Nur wenn alle in eine Richtung arbeiten und das möglichst professionell, ist eine weitestgehend reibungslose Bodenseequerung möglich.

Wie reagieren denn die einzelnen Extremsportler auf die Anforderungen des Bodensees? Da gibt es sicherlich auch unterschiedliche Wahrnehmungen, oder? Jemand der bereits Erfahrungen mit Meeren hat ist sicherlich versucht den Bodensee als Binnensee, nicht ganz so ernst zu nehmen, oder?
Ja, das ist leider so. Grundsätzlich wird der Bodensee von über 95% der Schwimmer/Innen unterschätzt. Da ist es nicht einmal erheblich, ob hier „Salzwassererfahrung“ – also Meerschwimmerfahrung vorliegt. Es genügt, wenn die Schwimmer/Innen mit den Eindrücken ihres verhältnismäßig kleinen Trainingssees (wenn überhaupt vorhanden) an den Bodensee kommen und im ersten Moment allein durch die Größe desselben geflasht sind.

Viele sehen den Bodensee tatsächlich am Start zur Querung zum ersten Mal. Es ist sehr zu empfehlen, sich das Gewässer vor einer Anmeldung zu einer Querung einmal anzuschauen. Zudem ist das Schwimmen im Salzwasser wesentlich einfacher, da die Auftriebskraft im Salzwasser größer ist. Des Weiteren ist es eben am Bodensee auf Grund seiner Dimension so, dass er durchaus als Meer zu sehen ist. Wir haben bei entsprechender Wetterlage Wellen, die denen im Meer in nichts nachstehen. Auch gibt es im See Strömungen die jedoch im Vergleich zu Meeresströmungen kaum zu berechnen sind.

Fazit: Außer, dass es angenehmer ist, sich bei Süßwasser zu verschlucken und es keine Quallen gibt, ist das Schwimmen im Bodensee nicht leichter als in einem Meer.

Was sind die generellen Tipps die Du/Ihr den Interessenten/Sportlern an die Hand geben willst?
Potentiellen Teilnehmer/Innen empfehlen wir, sich sofort anzumelden und es dann ernst zu nehmen. Sich genügend Zeit zu nehmen für die Vorbereitung und doch auch nicht zu viel.
Nicht erst anmelden, wenn man vorbereitet ist, denn da gibt es dann meistens nur zwei Varianten:

  1. Man meldet sich dann nie an, weil man nie genug vorbereitet sein kann und wird somit auch nie sein Ziel erreichen.
  2. Man meldet sich an, bekommt dann aber keinen Startplatz und wird sein Ziel nicht erreichen. Denn selten fallen die Zeitpunkte, dass ich kann, wenn ich will, zusammen.

Die Betrachtung ist jetzt eher mit etwas Humor zu sehen, aber es ist leider so. Nur wer den ersten Schritt macht, wird sein Ziel erreichen. Eines meiner Mottos lautet: Visionen leben! Es lautet nicht, Visionen haben.