Fehmarnbelt, Mirjam Schall, Freiwasserschwimmen, Aqua Sphere
Die Bedingungen für die Doppelquerung des Fehmarnbelts schienen perfekt zu sein, Mirjam „Mim“ Schall war topfit. Auf der Einfachquerung lief alles nach Plan, doch auf dem Rückweg schlug das Wetter um. Die wahrscheinlich schwerste Entscheidung musste dann fünf Kilometer vor dem Ziel getroffen werden: Abbruch. Trotz allem ist die gesamte Aqua Sphere-Familie stolz auf „ihre“ Mim.

Fehmarnbelt, Mirjam Schall, Freiwasserschwimmen, Aqua SphereBereits einen Tag vor dem eigentlich geplanten Start ging Mim ins Wasser, da die Wetterbedingungen besser erschienen als am ursprünglichen Starttag. So ging es für sie am 27. August, um exakt 5.04 Uhr, an der Slipanlage des Campingplatzes in Puttgarden ins 19 Grad kalte Wasser. Südwestwinde begünstigten den Weg nach Rödby und Mim war mit knapp 4 km/h sogar auf Weltrekordkurs für die Einfachquerung. Vom Begleitboot aus erhielt sie alle 30 Minuten isotonische Getränke und die gebürtige Fränkin ließ sich selbst das ein oder andere Stück Nürnberger Lebkuchen nicht entgehen.

Auf ungefähr halber Strecke kam dann eine der anspruchsvollsten Passagen: die Querung der Schifffahrtsroute Kiel-Baltikum. Auch dieses Teilstück konnte sie dank ständigem Funkkontakt zwischen Begleitboot und Schiffsverkehr sowie vorausschauend fahrender Bootsführer meistern. Mim wurde sogar von Fährpassagieren vom Außendeck angefeuert, die über Durchsagen an Bord über ihren Versuch informiert wurden.

Fehmarnbelt, Mirjam Schall, Freiwasserschwimmen, Aqua SphereDie letzten vier Kilometer hatten es dann nochmal in sich. Mim musste gegen eine starke Strömung ankämpfen und brauchte 2,5 Stunden für dieses Stück, bevor sie den Strand von Rödby nach exakt 9,50 Stunden erreichte. Die letzten 300 Meter schwamm sogar ihr gesamtes Team mit. An eine große Pause war allerdings nicht zu denken. Innerhalb der maximal zulässigen Pause von fünf Minuten bei Doppelquerungen wurde Mim mit Essen und Trinken versorgt, für den Kälteschutz mit Melkfett eingerieben und von ihrem Lebensgefährten noch einmal kräftig motiviert.

Nun ging es auf den Rückweg. Und die Gegenströmung, die Mim auf dem Hinweg zu schaffen machte, war jetzt ein wahrer Turbo. Doch dann gab es erste Meldungen für einen Wetterumschwung. Innerhalb weniger Stunden war laut amtlichen Seewetterbericht mit Sturm und Gewittern zu rechnen. Weder diese Nachrichten noch Feuerquallen raubten Mim die Motivation, ihr Ziel zu erreichen. Mit 30 Zügen pro Minute hielt sie ihre Frequenz.

Dann brach die Dunkelheit über dem Fehmarnbelt herein und Schwimmerin wie Begleitboot wurden mit Lichtern ausgestattet. Nun bewahrheiteten sich aber die Wettervorhersagen. Ein Ostwind mit Stärke 3 bis 4 ließ die Strömung kontinuierlich stärker 012-IMG_0642.JPG.mediumwerden. Irgendwann kam der Punkt, an dem Mim aufgrund der Strömung nur noch auf der Stelle schwamm. Auch das Mobilisieren der letzten Kräfte half nichts mehr. Da es keinen anderen Anlandungspunkt als die Slipanlage in Puttgarden gab, entschieden Bootsführer, Trainer und Mim nach heftigen Diskussionen, die Doppelquerung abzubrechen. Fünf Kilometer vor dem Ziel wahrscheinlich die bitterste Entscheidung. Mim hatte bis dahin über 40 Kilometer in 17 Stunden zurückgelegt. Um ihre Gesundheit nicht zu gefährden, wurde der Versuch um 22 Uhr beendet und Mim mit dem Begleitboot an Land gebracht.

Dass der Frust nach solch einem Vorhaben tief sitzt, kann wohl jeder Sportler nachvollziehen. Doch Mim wäre nicht Mim, wenn sie nicht bereits am nächsten Morgen mit ihrem Team am Frühstückstisch neue Pläne geschmiedet hätte. Großer Dank gilt Mims Familie, ihrem Team sowie allen Sponsoren und allen Fans, die mitgefiebert haben.