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Es gibt immer mehr Nichtschwimmer unter Schulkindern. Gleichzeitig steigt die Nachfrage an Schwimmkursen für Erwachsene. Wohin es geht und wie sie als Schwimmlehrer darauf reagieren fragten wir unsere Trainerin Natascha Woithe von Human-Magic. 

Natascha, Du hast erzählt, dass die Anmeldungen für Neuschwimmer-Kurse zunehmen. Wie ist denn hier der Trend? Kommen viele Erwachsene zu euch, die schlecht oder gar nicht schwimmen können?
Früher, ich spreche noch von vor 10-20 Jahren, bestanden die Erwachsenen-Schwimmkurse fast nur aus „alten“ Menschen, die früher nicht die Zeit oder das Geld hatten, es zu lernen oder aber traumatische Erinnerungen bearbeiten wollten. Sie waren auf alle Fälle immer aus der Zeit, als es noch kein Schulstandard war Schwimmen zu lernen. Heute Im Jahr 2017, ist die Tendenz so, dass wir sehr viele junge und jüngere Menschen in unseren Erwachsenenkursen haben und sogar Teenie-Schwimmkurse entstanden sind.

Ist das ein typisches Problem bei uns in Deutschland oder sind eure erwachsenen Neuschwimmer auch aus anderen Kulturkreisen?
Ja, es ist nicht nur generationenübergreifend, sondern auch nationalitätenübergreifend. Wir beobachten in den letzten Jahren sehr stark, dass junge Menschen, die aus aller Welt kommen, nicht richtig schwimmen können und es hier bei uns lernen wollen! Fünf Nationalitäten in einem Kurs mit 6-8 Teilnehmern, ist da keine Seltenheit.

Kommen die Menschen von sich aus oder was sind denn die häufigsten Gründe, dass sich erwachsene Schwimmschüler anmelden?
Oft hat ihnen ihr Arzt oder Physiotherapeut gesagt, dass Schwimmen gesund und gut für den Körper, speziell auch den Rücken ist. Und, dass es die schonendste Sportart zum Gewichtreduzieren und in-Form-kommen ist. Und dann suchen sie unsere Hilfe. Eine falsche Technik wird da schon des Häufigeren sichtbar. Jedoch erleben wir auch sehr oft, dass manche gar nicht schwimmen können, starke Ängste oder sogar Traumata haben.

Dadurch ist die Arbeit mit Erwachsenen eine vielfach größere Herausforderung für den Schwimmlehrer als die mit Kindern. Bei Erwachsenen ist außerdem auch das Lernen von koordinativen Bewegungsabläufen schwieriger. Dafür müssen wir Schwimmlehrer zum einen mehr Zeit einplanen und zum anderen ist unser viel psychologisches Geschick gefragt.

Gibt es einen generellen Unterscheid zwischen dem Schwimmen lernen als Kind und dem als Erwachsener?
Ja, Kinder lernen einfach schneller, sie denken weniger, sind wörtlich „unbedachter“ und stehen sich dadurch deutlich weniger selbst im Weg, beim Nachmachen und Lernen.

Wie sind denn eure Schwimmkurse aufgebaut? Wie viele Einheiten gehören denn unbedingt dazu?
Im Idealfall bucht man 4 Stunden für Wassergewöhnung vorab und dann 10 Stunden für den eigentlichen Schwimmkurs. Das Ganze kann nach dem eigenen individuell angepassten Modul mit 1 oder 2 Mal und maximal bis zu 5 Mal in der Woche gebucht werden.

Was ist euch wichtig, was wollt ihr in den einzelnen Phasen vermitteln? Welche Phasen durchlaufen Schwimmschüler erfahrungsgemäß?
Wir beginnen immer mit einer Kennenlernphase. Hier machen sich die Schwimmschüler mit der Materie Wasser und den anderen Teilnehmer vertraut. Bei den Erwachsenen geht es dabei oft darum, ob man sich verstanden fühlt und wie die Weggefährten so sind mit denen man ein gemeinsames Ziel verfolgt. Es geht um Verständnis, darum es aussprechen zu können, „ich kann nicht schwimmen“ und sich dafür nicht schämen oder rechtfertigen zu müssen, denn man ist auch nicht allein!

Das ist die erste Hürde, der erste Schritt der es überhaupt ermöglicht. Mit dieser Offenbarung legen die Teilnehmer ab, was sie bremst und nehmen an, was nötig und möglich ist.
Als zweites folgt dann die Technikphase. Es ist wichtig auf die richtige Technik zu achten von Anfang an. Wir achten auf alle Details die den Unterschied machen können.
Nach der Technik- kommt die sogenannte Trainingsphase, die auch die meiste Zeit beansprucht denn hier heißt es üben, üben und nochmals üben.Und schließlich, kommt die erste Erfolgsphase. Es geht voran, kleine Erfolge entstehen und werden gefestigt sowie ausgebaut.
Nicht zu vergessen ist schließlich noch die Sicherheitsphase. Hier lernen Neuschwimmer alles, was ein geübter Schwimmer wissen muss. Angefangen von den Baderegeln, bis hin zu den Abzeichen die erzielt werden können. Und währenddessen gilt aber weiterhin und natürlich weiterhin regelmäßigem dranbleiben und üben.

Das ist sicherlich immer wieder ein sehr emotionaler Moment auch für Euch, wenn man es geschafft hat, dass sich ein Schwimmschüler im Wasser sicher und frei fühlt? Was ist da für euch der schönste Moment?
Oh ja, das häufigste und schönste sind sind überglückliche Dankbarkeit, die über die Augen und auch oft über Worte und kleine Aufmerksamkeiten weiter gegeben wird.
Am Anfang waren sie vielleicht nur bis zum Knie ins Wasser, dann bis Hüfte und mit viel Zuspruch bis zur Brust, dann nach Ewigkeiten dann den Kopf ins Wasser und die Hand gelöst vom Beckenrand. Und am Schluss gleitend, sich treiben lassend und einfach gut schwimmend! Es ist manchmal echt unglaublich diese 180° Wendungen zu beobachten. Und es ist einfach – total genial!

Das klingt sehr erfüllend solch eine Aufgabe! Danke dir für das Gespräch und viele glückliche Momente weiterhin mit euren Kursteilnehmern!

DANKE Euch – Wir haben Spaß bei unserem Traumjob
Euer aqua-magic Schwimmlehrer TEAM

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