Faris al Sultan hat schon selbst den Ironman Hawaii gewonnen und gehört als „Triathlon-Opa“ in die Ahnenliste des Ironman. Seine Erfahrungen und sein Wissen hat er an den Triathleten Patrick Lange weitergegeben – mit Erfolg! Der junge Deutsche ist der Sieger des Ironman Hawaii 2017! Wir wollten von Faris wissen, wie es ihm als Trainer eines Champions ergangen ist. 

Herzlichen Glückwunsch Dir zum Sieg von Patrick Lange beim Ironman Hawaii 2017! Du als Trainer hast Deinen Teil dazu beigetragen.Was war das für ein Gefühl als Trainer mit einem Wettkämpfer und nicht selbst als aktiv auf Hawaii zu sein?
Das war ein wirklich komisches Gefühl. Nach 14 Versuchen als Athlet auf Hawaii, mit 12 Zieleinläufen und 9 Top10 Platzierungen war dies mein erstes Mal als Zuschauer.

Hattet ihr euch das vorher ausgerechnet, war ein Sieg im Rahmen der gedachten Möglichkeiten?
Naja, eine entfernte Möglichkeit war es schon, offensichtlich :-). Aber aufgrund des großen Trainingsrückstandes – im Frühjahr war Patrick ja lange verletzt – war es nicht sehr wahrscheinlich.

Du hast sicherlich das Geschehen die ganze Zeit beobachtet, was geht einem Trainer da durch den Kopf? Was macht das mit Dir?
Es war ein emotionaler Ausnahmezustand – was soll ich sonst sagen. Als ich an der Palani, etwa Kilometer 15 der Laufstrecke, gehört habe, wo er liegt und wie er aussieht war ich wie elektrisiert und wusste, dass er auf jeden Fall mindestens Dritter werden würde.

Wenn man so die Zeiten anschaut, lag Patrick Lange in allen Bereichen exzellent im Rennen außer beim Biken? Rechnet man als Trainer mit den Schwachstellen und entwickelt dann eine Strategie mit der man dann ansetzt?
Mit „Strategie“ hat das wenig zu tun, Patrick fährt einfach nicht so gut Rad, die Radleistung in Kona war sogar für ihn nicht gut, aber die Bedingungen waren für ihn günstig und ein gewisses Glück braucht man natürlich auch um den Sack wirklich zuzumachen.

Und was war das für ein Gefühl, als Jan Frodeno dann zurück fiel? Wusstest Du gleich – das kann was werden, jetzt steht einem Sieg nichts mehr im Wege?
Nein, ich war zufällig ganz in der Nähe als Frodo das „Rennen“ einstellte. Da war Patrick aber noch relativ weit hinten und sah zwar ausgesprochen gut aus aber, dass er noch einmal so schnell laufen würde, war auch für mich überraschend.

Das war sicherlich auch für Dich ein absolutes „Wechselbad der Gefühle“ wie Patrick Lange es selbst beschrieben hat. Wenn Du es vergleichst mit Deiner aktiven Zeit – was ist das Besondere an solch einem Sieg, wenn man ihn nicht selbst aktiv erkämpft?
Es ist Patricks Sieg, keiner kann ihm im Wettkampf etwas abnehmen aber alle die mitgeholfen haben wissen, dass sie einen Anteil am Erfolg haben. Weltmeistertrainer zu sein, gefällt mir auch :-).

Wie würdest Du diesen Moment beschreiben, wenn der, dem Du geholfen hast, sich auf diesen Wettkampf vorzubereiten, dann als Sieger ins Ziel kommt?
Beim Zieleinlauf war ich nicht anwesend und ich finde es weitaus befriedigender den Weg zum Sieg in der Rückschau zu betrachten als den Moment des Triumphs. Vom Athleten aus der dritten Reihe zum Hawaii-Champ in zweieinhalb Jahren ist eine beeindruckende Bilanz wie ich finde. An diesem „Projekt“ mitgewirkt zu haben war und ist mir eine Freude.

Wir sind auf die Fortsetzung dieses Krimis gespannt 😉