Mirjam Schall

Noch vor nicht allzu langer Zeit haben wir über den Ausfall von unserer Open Water Schwimmerin Mirjam Schall berichtet, da sie sich die Hand gebrochen hatte. Doch Mirjam ist hart im Nehmen und möchte die geplante Fehmarnbelt Querung nun auf Ende August verlegen. Ihr Arzt hat ihr grünes Licht gegeben – nun heißt es Vollgas geben und das Ziel fokussieren. Im Interview verrät sie uns mehr über ihre Pläne, welche Bedingungen wichtig sind und an welche Regeln sie sich halten muss.


Es freut uns, dass du wieder gesund und auch fit bist. Wir finden es extrem mutig, dass du dein Ziel, die Fehmarnbelt Querung echt diesen Simmer noch durchziehen willst. Du willst die Strecke ja nicht nur einmal, sondern gleich doppelt schwimmen. Das hat ja vor dir auch schon mal eine Frau probiert, aber nicht geschafft. Aus dem bisher angedachten Zeitfenster Ende Juli willst du es nun zwischen dem 29.8. und 2.9.2016 probieren. Respekt für deinen Mut!

Und Glückwunsch zu deinem neuen Sponsor – Kia Metropol Automobile – Jochen Scharf aus Roth. Das macht es dir sicherlich leichter, dich auf dein Training zu konzentrieren. Es ist ja nicht gerade einfach, wenn man sich neben der Herausforderung sich körperlich vorzubereiten auch noch um die finanzielle Umsetzbarkeit seiner Ideen kümmern muss.

Was ist denn das Besondere an dieser Strecke, was reizt dich daran?
Die Herausforderung ist die Strecke, es ist ja offenes Wasser und Salzwasser zudem, außerdem gibt es dort eine gewisse Strömung und auch Wellen. Die Wassertemperaturen liegen im Schnitt um die 15 – 21 Grad.

Es haben ja bereits einige Frauen die Strecke einfach geschafft. Aber nur eine hat es gewagt hin und zurück zu schwimmen und hat es nicht geschafft. Wie lang ist denn die Strecke?
Ja, ich bin dann die zweite Frau, die es wagt und hoffentlich die erste, die den Fehmarnbelt finisht. Die Entfernung einfach heißt etwa 19 km und doppelt dann etwa 38 km. Je nachdem, welche Strecke die Strömung mir abzwingt.

Welche Bedingungen brauchst du denn für den Start? Wovon machst du es abhängig, ob du und wann du startest?
Man muss es von den Wetterbedingungen abhängig machen und von der damit verbundenen Strömung. Darum plane ich auch immer ein Zeitfenster von einer Woche für eine solche Herausforderung, somit haben wir immer etwas Spiel. Letztlich entscheidet aber auch noch der Veranstalter vor Ort, ob man an dem Tag schwimmen darf oder nicht.

Wer ist denn der Veranstalter?
Der heißt Beltquerung Fehmarn (www.Belt-Querung.de). Dort meldet man sich an für die Querung, die kümmern sich um das Begleitboot, die dokumentieren die Leistung, stoppen die Zeiten, kontrollieren den regelnormalen Ablauf und laden auch die Presse ein, wenn wie bei mir und meiner Solo-Querung, die Möglichkeit für einen neuen Weltrekord gegeben ist.

Gibt es denn prinzipielle Regeln, die hier eingehalten werden müssen?
Klar, das sind die normalen Regeln, die für alle Langstrecken gelten. Du darfst nur im Badeanzug schwimmen, dessen Beine maximal bis zum Knie gehen dürfen und der einen A4 großen Rückenausschnitt haben muss. Neopren ist gar nicht erlaubt. Eben so wenig auch irgendwelche Schwimmhilfen.

Außerdem muss man die Strecke Non-Stopp Schwimmen, man darf zwar zwischendrin pausieren, aber währenddessen darf man sich nicht festhalten. Auf Fehmarn selbst darf man maximal nur 5 Minuten an Land gehen. Aber es gibt keine Zeitbegrenzung für die Strecke.

Das heißt, die Zeit ist dir auch nicht so wichtig?
Nein, mir geht es darum es zu schaffen!

Was reizt dich an dieser Herausforderung? Was ist der Grund, dass du es machen willst?
Ich liebe neue Herausforderungen und na ja der Kick, dass ich es als Erste geschafft habe.

Wie lange denkst du, brauchst du für die Strecke, wie viel planst du dafür?
Ich denke für die Strecke doppelt werde ich so 14-15 Stunden brauchen.

Wie sieht es aus mit deinem Team, wird dich dieses begleiten?
Klar ohne mein Team würde ich nicht an den Start gehen. Sie begleiten mich die ganze Woche und stehen mir bei.

Wer ist denn aktuell in deinem Team?
Mein Trainer und Coach, mein Koordinator und meine zwei Ernährungsberaterinnen.

Wie bereitest du dich auf solche Solo-Herausforderungen vor?
Ich trainiere meine Kondition, meine Muskeln und meine Ausdauer. Im Becken, im See, im Studio, aber auch auf dem Rad und beim Laufen.

Im Becken trainiere ich Kraft und Tempo – hier schwimme ich nie weniger als 5 km. Langstrecken trainiere ich im See mit ca. 10 – 20 km pro Einheit. Dabei geht es besonders um Ausdauer.

Trainierst du auch mental?
Klar, mache ich immer. Ich habe meine spezielle Motivationsmusik und auch meine Meditationstechnik um mich auf so einer Strecke mental bei der Stange halten zu können.

Wie wichtig ist auf dieser Strecke die Zusammenarbeit mit deinem Team, nicht zuletzt auch den Ernährungsberaterinnen? Du wirst ja auch hier immense Kalorien verbrauchen…
Mein Team ist hier natürlich wichtig für mich, sie geben mir zusätzlich ein Gefühl von Kraft! Und sie müssen mich natürlich die ganze Zeit füttern, ich bekomme während solcher Querungen meist alle 30 Minuten was zu essen und trinken. Meist greifen wir während der Strecke auf Sportlernahrung zurück, damit bekomme ich in konzentrierter Form die Energie, die ich brauche, zurück.

Was ist der Rahmen der geschaffen werden muss? Welche Kosten fallen denn hier ins Gewicht?
Anmeldung der Querung – Startgebühr 200 € einfach, also 400 € doppelt. Das Begleitboot und ein Skipper kosten auch noch extra. Und dann kommt natürlich auch noch mein Team, das von mir keine Bezahlung will, aber für deren Fahrtkosten und Übernachtung ich aufkommen muss innerhalb dieser geplanten Woche vor Ort.

Ja, dann wünschen wir dir viel Erfolg!