Wie so viele Sportarten wurde auch das Schwimmen Ende des 19. Jahrhunderts immer populärer (wir berichteten). Der – auch politisch motivierte – Körperkult erwachte immer mehr.

Charles Darwins Evolutionstheorie war ein Grund, warum Körperertüchtigung unter dem Leitspruch „mens sana in corpore sano“ als Vorbeugemaßnahme gegen „den Niedergang des Genmaterials des Volkes“ folglich immer mehr propagiert wurde. Schwimmen wurde zum beliebten Volkssport. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wächst beispielsweise der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) auf über 61.000 Mitglieder in 378 Vereinen an. 1922 schließlich verzeichnet der DSV bereits über 200.000 Mitglieder in 800 Vereinen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Schwimmsport wie der gesamte Sport für „rassenhygienische“ und staatspolitische Zwecke missbraucht. Aus dem DSV wird der „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“, Schwimmen als Leibesertüchtigung zum „Rassenerhalt“ und leistungssportlich bei internationalen Wettkämpfen zur politischen Machtzelebration, was mit der Kapitulation Ende 1945 endete.

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Schwimmen ist heute ein fester Bestandteil der Bewegungskultur. Seit den 1960er Jahren gehört Schwimmen zu den Pflichtsportarten an deutschen Schulen, was allerdings derzeit aufgrund zahlreicher Schließungen von Hallenbädern vielerorts leider nur mehr theoretisch auf dem Lehrplan steht. Experten beklagen deshalb wieder einen Rückgang der Zahl derer, die Schwimmen lernen. Laut einer Untersuchung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) können immer weniger Kinder im Grundschulalter richtig schwimmen. 59 Prozent der zehnjährigen Mädchen und Jungen seien keine sicheren Schwimmer und rund ein Drittel können gar nicht schwimmen. Ein bedenklicher Zustand, zumal Schwimmen können lebenswichtig ist. Allein 2016 ertranken in Deutschland laut DLRG mindestens 537 Menschen.

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Bewegung im Wasser als Fitness-Trend

Immer wichtiger wird die Bewegung im Wasser als Fitness- und Gesundheitssport. Denn Bewegung im Wasser – egal ob Schwimmen oder auch alle Aqua Fitness-Varianten – macht fit, ist extrem gesund und so ein sehr gutes Rezept gegen Energiemangel, Müdigkeit, Lustlosigkeit und depressive Stimmungsschwankungen. Regelmäßige Bewegung in der relativen Schwerelosigkeit des Wassers gilt auch als Balsam für Knochen und Gelenke. Schwimmen mit seinen unterschiedlichen Bewegungsformen wird deshalb vielfach auch therapeutisch im Rahmen der Rehabilitation, als Altensport und für Behinderte eingesetzt und ist neben Gymnastik, Leichtathletik und Bewegungsspielen in Gruppen eine der anerkannten Reha-Sportarten.