Mareen, du hast ja eine Wahnsinnsleistung beim Ironman Hawaii abgelegt!! Glückwunsch!! Wir freuen uns echt riesig für dich! Deine Eltern sind bestimmt auch sehr stolz auf dich.

Wie geht es dir jetzt? Machst du jetzt erstmal noch Urlaub auf Hawaii?
Meine Beine stecken noch sehr voll Muskelkater und das Gehen (oder Watscheln) ist noch mühsam. Auch habe ich unter beiden großen Fußnägeln Blasen bekommen, das ist auch nicht angenehm. Urlaub mache ich hier nicht mehr. Heute (Montag) geht es nach Hause.

Was ist das für ein Gefühl, die erste Deutsche zu sein?
Wir haben viele sehr gute deutsche Triathletinnen und mit 6 Mädels waren wir beim wichtigsten Rennen des Jahres gut vertreten. Es ist schön, zum zweiten Mal beste Deutsche auf Hawaii zu sein, aber da es eine Weltmeisterschaft ist, ist mir der internationale Vergleich wesentlich wichtiger.

Wie zufrieden bist du mit deinen einzelnen Leistungen in den verschiedenen Kategorien?
Das Schwimmen war spitze, ich bin voll angeschwommen und dann mit einer anderen Athletin gemeinsame die 3.8 km geschwommen. Ich bin den neuen Speedsuit von Aqua Sphere geschwommen und er war super angenehm im Wasser zu tragen und ist offensichtlich auch richtig schnell! Als ich die ersten Splits bekommen habe, war ich super happy. Ich bin als 23. aus dem Wasser gekommen. Der Rückstand von 6:10 Minuten auf Platz 7 ist deutlich geringer ausgefallen, als in den Jahren zuvor.

Beim Rad bin ich vorwiegend nach Gefühl gefahren. Ich wusste lange nicht, ob ich im Vergleich zur Spitze Boden gut mache oder verliere. Ich habe aber nur überholt, keine der starken Radfahrerinnen kam von hinten und so habe ich mein Motto des Tages für mich formuliert „Ruhe bewahren!“. Es hatte schon Wind auf der Strecke und ich musste meinen Aerofyer hin und wieder schon ordentlich festhalten. Wenn Passagen mit Gegenwind kamen, habe ich gesehen, dass ich deutlich schneller an die Mädels vor mir ran kam, als bei Rückenwindpassagen. Nach zwei Radstunden bekam ich dann die Info von meinen Eltern, dass ich zwei Minuten zugefahren hatte. Da ich ein Athlet bin, der eher hinten raus einen Unterschied machen kann, waren das tolle Infos. „Prima, Ruhe bewahren, gut verpflegen und weiter so!“, hab ich mir gedacht. Am Wendepunkt in Hawi konnte ich dann sehen, wie das Feld vorne aussieht. Bergab verliere ich immer auf die anderen Fahrerinnen, so auch am Samstag. Die letzten 60 km habe ich den Druck auf dem Pedal erhöht, und konnte gegen den Wind ordentlich Zeit und Plätze gut machen. So konnte ich meine Rosie als 7. Frau wieder abstellen. Die 4. Radzeit in dem Topfeld ist spitze!


Dann kam der Marathon. „Ruhe bewahren!“, sagte ich mir immer und immer wieder. Nach meiner Überhitzung beim letzten Start, wollte ich den Marathon bis mindestens km 38 absolut kontrolliert laufen. Ich fühlte mich beim Laufen etwas schwerfällig und aufgequollen, und war auch etwas langsamer unterwegs, als ich gern gelaufen wäre. Am Wendepunkt bei km 8 lag ich auf Platz 8 und hatte ich einen Überblick, wie das Feld hinter mir aussieht. Da waren mir einige sehr starke Läuferinnen auf den Fersen und ich hatte erwartet, meinen Patz in den Top 10 schnell zu verlieren. Aber ich konnte ihn lange behaupten – bis km 40.5. Insgesamt wäre ich gern etwas schneller gelaufen und hatte das eigentlich auch drauf. Von daher würde ich sagen, die Laufleistung war solide.

Gab es Durststrecken zwischendrin und wie hast du dich hier motiviert? Oder was hat dich dann motiviert?
Ich habe mich beim Rennen auf mich konzentriert und mein Ding gemacht. Das tolle Schwimmen hat mich schon mal super happy gemacht und auf dem Rad nur zu überholen ohne über die eigenen Grenzen zu gehen, ist natürlich auch motivierend. Bergab wurde ich zweimal überholt. Es ist natürlich nicht schön zu sehen, dass der Vorsprung, den ich mir bergan und auf den flachen Abschnitten erarbeitet habe, dann wieder weg ist. Auf dem Rückweg hat der Gegenwind mir als starke Radfahrerin in die Karten gespielt. Ich hab hinten raus meist noch sehr gute Beine und genügend Körner um da einen Unterschied zu machen. Also habe ich mich gefreut, wenn mir eine „warme Brise“ ins Gesicht wehte. Beim Marathon habe ich versucht mich nicht davon runter zu ziehen lassen, dass ich nicht so schnell wie geplant unterwegs war. Da ich mich sehr lange in den Top 10 halten konnte, wusste ich dass die anderen Mädels auch deutlich langsamer laufen als sie es eigentlich können. Ich habe mich konzentriert, meinen Körper runter zu kühlen und genug Verpflegung aufzunehmen. Und immer wieder habe ich mir gesagt „Ruhe bewahren!“

Wie waren die Wetter-/Streckenverhältnisse?
Das Meer war recht ruhig mit ein wenig Strömung, eigentlich normale Kona-Verhältnisse. Der Wind auf dem Rad war deutlich zu spüren und war teilweise auch recht böig. Aber es waren keine extrem schweren Bedingungen. Der Marathon war HEISS. Normalerweise zieht es sich in Kona nachmittags zu, nicht so am Renntag. Die Marathonzeiten waren (mit Ausnahme von Patrick Lange) alle langsam und so relativiert sich meine Laufzeit auch wieder ein wenig.

Wie geht’s bei dir weiter? Was sind deine nächsten Pläne? Erst wieder zurück zur Arbeit und etwas Pause vom Triathlon? Bist du froh, dass der Ironman jetzt hinter dir liegt? Oder trainierst du direkt weiter?
Jetzt werde ich mich erst mal von dem Rennen und der Reise erholen. Danach geht es dann mit leichtem Training weiter. Ich werde meine Saison noch bis Dezember machen und spät in die Winterpause gehen. Ich würde gern in 4 Wochen den Ironman Malaysia machen. Bei der Ernährung kann ich glaube ich noch optimieren und würde das in dem Rennen gern testen.

Welches Fazit kannst du aus dem Wettkampf/deiner Leistung/deiner Vorbereitung etc. ziehen?
Ich hab offensichtlich vieles richtig gemacht 😉

Das hast du in der Tat Mareen! Danke dir für das Interview und erhol dich gut vom Wettkampf!