Foto: Ingo Kutsche

2017 war für Mareen Hufe ein sehr besonderes Jahr. Nach mehreren Podestplätzen und dem 11. Platz bei der Triathlon Langdistanz Weltmeisterschaft, folgte nun Anfang Dezember ein Podiumsplatz als dritterfolgreichse Triathletin des Jahres. Wie Mareen selbst verabschiedete sich nun in die Off-Season, fasste uns ihre Erfolge aber hier nochmal zusammen.

Dominanz auf deutschem Boden im August und September

Mein Summer Update von Anfang August ist schon eine Weile her, aber auf der faulen Haut habe ich in der Zeit nicht gelegen. Stattdessen habe ich daheim weiter an meiner Form gefeilt und viel Präzenz auf Deutschlands Triathlonstrecken gezeigt. Ich konnte viele Rennen für mich entscheiden. Insgesamt habe ich 5 Mitteldistanzen gewonnen, darunter auch die großen Rennen in Frankfurt und Köln:

06.08.   1. Platz Frankfurt City Triathlon

19.08.   1. Platz Borken Triathlon

27.08.   1. Platz TeutoMan Triathlon

03.09.   1. Platz Köln Triathlon

10.09.   1. Platz Wesel Triathlon

Mitte September ging es dann ins Las Playitas auf Fuerteventura, um mir den letzten Feinschliff für Kona zu holen. Das Las Playitas ist ideal, um in toller Athmosphäre mit Wind und Sonne zu trainieren. Es war eine tolle Zeit mit meiner Trainerin Ute Mückel und meinem Trainingspartner Huib van Engelen.  Wieder daheim hab ich mir dann noch beim heimischen Hanse City Lauf eine neue Bestzeit abgeholt. Mit viel Rückenwind bin ich somit über den großen Teich zum Ironman Hawaii geflogen.

WM Hawaii Schwimmen

11. Platz und beste Deutsche beim Ironman Hawaii

Das Rennen in Kona ist sicherlich der wichtigste Wettkampf im Triathlonzirkus und es wird viel über den großen Tanz auf der Hula Hula Insel berichtet. Vielleicht habt ihr mein Lead Up zum Rennen auch auf den täglichen Kurzvideos auf Facebook verfolgt und mitgefiebert, ob und wann mein verschollenes Rad es endlich auf die Insel schafft. Hier gebe ich euch rückblickend noch ein paar Insights über das Rennen der Rennen.

Jeder versucht auf Hawai in Topform an der Startlinie zu stehen. Weltweit gibt es für die Profidamen nur 40 Startplätze zu vergeben. Allein dabei zu sein, ist schon ein toller Erfolg. Wir haben viele sehr gute Triathletinnen in Deutschland und waren gut vertreten. 6 Mädels hatten die Chance auf Hawaii ihr bestes Rennen zu zeigenkonnten. Im Nationenvergleich hatte ich diesmal erneut die Nase vorn. Natürlich  ist es schön, zum zweiten mal beste Deutsche auf Hawaii zu sein, aber da es eine Weltmeisterschaft ist, ist mir der internationale Vergleich wichtiger.

Das Schwimmen war spitze! Die Fortschritte, die ich diese Saison gemacht habe, konnte ich im Rennen bestätigen und der neue Speedsuit von Aquasphere ist verdammt schnell! Als ich die ersten Splits bekommen habe, war ich super happy. Ich bin als 23. aus dem Wasser gekommen. Der Rückstand von 6:10 Minuten auf die erste Schwimmgruppe ist deutlich geringer ausgefallen, als in den Jahren zuvor.

Beim Rad bin ich vorwiegend nach Gefühl gefahren. Ich wusste lange nicht, ob ich im Vergleich zur Spitze Boden gut mache oder verliere. Es fühlte sich recht locker an, die Wattwerte waren in Ordnung, ich habe nur überholt und keine der starken Radfahrerinnen kam von hinten. So habe ich mein Motto des Tages formuliert „Ruhe bewahren!“. Es war schon ordentlich  Wind auf der Strecke und ich musste meinen Aeroflyer hin und wieder gut festhalten. Nach zwei Radstunden bekam ich dann die Info von meinen Eltern, dass ich zwei Minuten zugefahren hatte. Da ich eine Athletin bin, die eher hinten raus einen Unterschied machen kann, waren das tolle Infos. „Prima, Ruhe bewahren, weiter gut mit meinen Dextro Energy Gels verpflegen und weiter so!“, habe ich mir gesagt. Am Wendepunkt in Hawi konnte ich dann sehen, wie das Feld nach vorne aussieht. Bergab verliere ich immer auf die anderen Fahrerinnen, so auch dieses Jahr. Aber am Fuße des Berges angekommen, habe ich meine Aufholjagd wieder aufgenommen. Die letzten 60 km habe ich den Druck auf das Pedal erhöht. Mit meinen IOS Einlagen habe ich eine gute Kraftübertragung ohne dass mir die Fusssohlen zum Ende hin wehtun. Mit dem Gegenwind in der Nase konnte ich noch ordentlich Zeit und Plätze nach vorne gut machen. Ich habe Rosie als 7. Frau wieder in der Wechselzone abgestellt. Die 4. Radzeit in diesem Topfeld ist spitze!

WM Hawaii Radfahren

Dann kam der Marathon. „Laufen, Kühlen und Ruhe bewahren!“, sagte ich mir immer und immer und IMMER wieder. Nach meiner Überhitzung beim letzten Start wollte ich den Marathon bis mindestens Kilometer 38 absolut kontrolliert laufen. Ich fühlte mich beim Laufen schwerfällig und aufgequollen, und war auch von Anfang an langsamer unterwegs, als ich gern gelaufen wäre. Das ist natürlich kein tolles Gefühl, aber ich musste damit umgehen. Am Wendepunkt bei Kilometer 8 lag ich auf Platz 8. Dort hatte ich einen Überblick, wie das Feld hinter mir aussieht. Da waren mir einige sehr starke Läuferinnen dicht auf den Fersen. Ich hatte erwartet, meinen Patz in den Top 10 schnell zu verlieren. Aber ich konnte ihn lange behaupten – bis km 40.5! Dann kam auf der Bergabpassage noch eine Athletin an mir vorbei geflogen und ich hatte ihr leider nichts mehr entgegenzusetzen. Ich wäre gerne etwas schneller gelaufen und hatte das eigentlich auch drauf.

Insgesamt habe ich offensichtlich sehr sehr viel richtig gemacht und bin stolz auf das Rennen, das ich gezeigt habe! Im Ziel war ich mir sicher, dass ich alles gegeben hatte! Ich bin meinen Eltern, Trainingspartnern, Freunden und meinen Trainern sehr dankbar für den Rückhalt und die Unterstützung. Das konnte ich auch nach dem Ziel nicht verstecken und habe auch ein paar Freudentränen verdrückt.

IM Malaysia Schwimmen

2. Platz beim Ironman Malaysia

Nach dem tollen Rennen auf Hawaii gab es einige gute Gründe nur vier Wochen später in Malaysia wieder an der Startlinie zu stehen. Zum einen wollte ich die gute Form nutzen, um noch ein prima Rennen zu zeigen. Da ich auf Hawaii meine Laufform nicht voll abrufen konnte, wollte ich in einem Hitzerennen eine andere Ernährungsstrategie testen. Die Hitze und Luftfeuchte ist noch extremer als auf Hawaii und das war eine perfekte Möglichkeit für einen Test. Der Ironman auf Langkawi ist ein tolles Rennen und mir und meinen Eltern hat es dort schon im letzten Jahr super gefallen. Zudem liegt Malaysia quasi auf dem Weg nach Australien, wo ich bereits die Startzusage für das letzte Rennen der Saison gegeben hatte.

Die Rennwoche war sehr kurzweilig. Zusammen mit anderen Profiathleten sind wir zum Kinderkrankenhaus gefahren und konnten die Kleinen mit Geschenken ein wenig aufmuntern. Es war schön zu sehen, welche warmherzige Stimmung dort herrschte. Interviewsessions, Pressekonferenz, Videodreh und der Ironkids Event füllten die Tage neben den Trainingseinheiten gut aus.  Die Tage sind nur so verflogen und schon stand ich an der Startlinie meines nächsten Ironman.

Das Schwimmen war wieder spitze. Mit nur 2 Minuten Rückstand auf die schnellste Schwimmerin kam ich aus dem Wasser – WOW! Am Rad hieß es dann Flucht nach vorne! Diana Riesler (die spätere Siegerin) und  ich gaben uns nichts auf den ersten Kilometern und wir hämmerten über den Rennkurs. Nach 20 km war unsere Lücke zur Spitze zugefahren. Leider hatte ich hinten raus nicht den üblichen Druck und bin in den Wattwerten und der Herzfrequenz abgefallen: Dazu kamen noch technische Probleme mit der Schaltung. So kam ich „nur“ als Zweite in der Wechselzone an. Beim Laufen ging es dann ganz gut. Diana zeigte aber keine Schwäche und an den Positionen änderte sich nichts mehr. Als zweite Athletin lief ich über die Ziellinie am wunderschönen Strand von Langkawi. Der zweite Platz ist ein tolles Resultat nur 4 Wochen nach Hawaii! Wenngleich mir auch der letzte Punsch fehlte, glaube ich, dass meine geänderte Rennverpflegung ein Schritt in die richtige Richtung war. Das aufgequollene und schwerfällige Gefühl beim Laufen wie auf Hawaii hatte ich diesmal nicht. #goodtestforkona2018

IM Western Australia Ziel

Ironman Western Australia – ein verrücktes Rennen

Mit zwei tollen Rennen im Gepäck ging es weiter nach Australien. Dummerweise hatte ich mir dabei eine Gesäßmuskelentzündung zugezogen, die echt hartnäckig war. Ich hatte bereits vor dem Ironman Hawaii meine Startzusage für dieses Rennen gegeben, der Renntag rückte immer näher und ich konnte nicht beschwerdefrei laufen. Was tun? Den Start absagen und in Australien Urlaub machen? Nur Schwimmen und Radfahren und dann das Rennen beenden? Das Rennen komplett absolvieren auch wenn ich evtl. den kompletten Marathon gehen muss?

Getreu dem Ironman Motto Anything is Possible, entschied ich mich für Letzteres. Ich stand am 3. Dezember an der Startlinie des Ironman Western Australia, an den ich mit meinen 4 zweiten Plätzen in Folge so viele gute Erinnerungen habe. Es war ein verrückter Tag: Das Schwimmen wurde wegen Haialarm abgesagt, der Radkurs wurde zum Ende hin wegen eines Waldbrandes verkürzt und der Marathon war mit 35 Grad eine reine Hitzeschlacht. Vom Strand aus gab es einen Jagstart und da ich auf Platz 2 gesetzt war, bin ich als vorletzte Profidame auf die Strecke bzw. durch die erste Wechselzone gelaufen. Die Titelverteidigerin und spätere Siegerin Melissa Hauschildt überholte mich schon beim Radaufstieg und wir fuhren die erste Radrunde zusammen. Das angeschlagene Tempo war hoch, aber das galt nicht nur für uns beide, sondern für das gesamte Starterfeld. Es wurde viel härter Rad gefahren als ohne Schwimmen und alle mussten dafür zum Ende hin bezahlen. Die einen mehr, die anderen weniger…

Auch wenn ich mich auf dem Rad Stück für Stück durch das Feld gearbeitet habe, konnte ich diesmal keinen entscheidenen Unterschied machen. Ich  bin als dritte Dame zum Lauf gewechselt und war gespannt, wie es sich nach 3 Wochen Laufabstinenz anfühlt. Es ging besser als erwartet, aber meine Beine wurden nach einiger Zeit schwerer und schwerer und ganz rund lief es auch nicht mehr. Die Locals wussten, wie groß das Fragezeichen hinter der Laufperformance war und wir waren alle überrascht, dass ich überhaupt durchlaufen konnte. Ich möchte ein Vorbild für andere Athleten sein und durch mein Finish wollte ich ein Zeichen setzen. Mit der richtigen mentalen Einstellung ist nicht alles, aber vieles möglich. Platz 6 ist sicher nicht das, was ich mir bei meiner Anmeldung zum Rennen vorgenommen hatte. Ich wollte das Rennen gewinnen, aber unter diesen Umständen hätte es auch gut und gerne Platz 666 werden können. Daher ist das ja mal gar nicht so verkehrt. Aus jedem Rennen lernt man etwas und meine neue Erkenntnis ist: Ein langsamer Marathon kann genauso wehtun, wie ein schneller.

Pizza Hawaii schon im Dezember

Bereits jetzt schon habe ich alle meine Punkte für die Qualifikation für Hawaii 2018 beisammen!! Es gab also jetzt schon die traditionelle Pizza Hawaii! Und die schmeckt immer besonders gut. Gemeinsam mit Freunden aus Busselton war das unser letztes gemeinsames Abendessen.

Off-Season2

Triathletin des Jahres – noch ein Podium zum Ende der Saison

Jedes Jahr werden von den deutschsprachigen Triathleten online die in ihren Augen erfolgreichsten Triathleten des Jahres gewählt. In diesem Jahr bin ich hinter Daniela Ryf und Laura Phillipp auf dem dritten Platz gelandet. Was eine tolle Überraschung! Es ist schön zu wissen, wie viele Gleichgesinnte meine Leidenschaft für den Sport mit mir teilen und sich mit mir über meine tolle Saison freuen. Die Wählerstimmen sind ein tolles Kompliment an meine Person und meine Leistungen. Dankeschön – das gibt mir für 2018 sicherlich noch ein wenig Extramotivation mit auf den Weg!

https://youtu.be/hPqC78G7o5s?t=24m35s

Auf dem Heimweg habe ich noch  ein paar Tage auf Bali verbracht. Der Rückflug war dann voller Überraschungen. Ich musste ein wenig früher aus Bali los und hatte dann einen Tag Aufenthalt in Dubai. Am Sonntag Mittag konnte ich beim Landeanflug quasi den Glühwein auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt schon riechen, als wir dann abgedreht sind und nach Hamburg geflogen sind. Der Schnee hatte den Flughafen in Düsseldorf lahm gelegt. Nun sitze ich schon 4 Stunden in Hamburg im Flugzeug und warte darauf, das der Flughafen in Düsseldorf wieder öffnet und wir zurück fliegen können. Das wird in den nächsten zwei Stunden nicht passieren…

Nun verabschiede ich mich in die Saisonpause und freue mich auf ein paar Wochen ohne Trainingsplan.

Ich bedanke mich recht herzlich für die Unterstützung in dieser Saison und wünsche euch allen eine schöne Adventszeit im Kreise eurer Lieben.

Bis bald,

Eure Mareen.