ALLE GUTEN DINGE SIND DREI – MISSION COMPLETED

Der Ironman Malaysia ist ein fantastisches Rennen und meine Eltern und ich haben unsere Zeit auf Langkawi in den letzten beiden Jahren sehr genossen. So war die Entscheidung, dieses einzigartige Rennen zu wiederholen, schnell gefallen. Zum einen ist ein Rennen spät in der Saison gut, weil man „nur“ die Form, die man für die Weltmeisterschaft auf Hawaii hatte, konservieren muss. Auf der anderen Seite war die Saison aber bereits schon lang und die Reisen, Zeitunterschiede und die Klimaveränderungen belasten den Körper zusätzlich zu der Beanspruchung, die man mit Training und Rennen bereits auf sich nimmt.

5 Wochen zwischen Hawaii und Malaysia, die es in sich hatten

Ich hatte bereits im Spätsommer das Rennen in Malaysia zugesagt. Dieses Jahr hat es allerdings sehr lange gedauert, bis ich mich von Kona erholt hatte. Die Wochen, die ich in Deutschland zwischen Hawaii und Malaysia verbracht habe, waren hart für mich. Körper und Geist waren müde vom Rennen und den Reisestrapazen. Viele Verpflichtungen daheim und der Jetlag führten letztendlich zu einem Schlafdefizit, das mich zusätzlich belastete. Vor allem mein Lauf war alles andere als einfach. Nichts tat besonders weh, aber meine Schritte waren steif, kurz und mit einer niedrigen Kadenz. Die Tage vergingen und es wurde nicht besser. Ich habe mir die notwendige Ruhe gegönnt, aber mir zunehmend Sorgen gemacht, wie ich denn beim Ironman Malaysia performen sollte. In diesen Tagen war es unglaublich hilfreich, meine Trainerin Ute und meinen Laufpartner und -trainer Bernd an meiner Seite zu haben. Sie haben täglich über mein Lauftraining entschieden. Es hat mir sehr geholfen, einfach so neben Bernd herzulaufen und loszulassen. Einfach nur die Technikübungen und Tempoverschärfungen mitmachen, die Bernd in dem Moment als hilfreich empfand. Ich wusste, dass es richtig war, meinem Körper die Zeit zu geben, die er brauchte, um sich zu erholen. Ich musste aber auch, dass ich ihn mit gezielten kleinen Reizen wieder aus der Reserve locken konnte. Obwohl es eine schwierige Zeit für mich war, glaubte ich immer daran, dass ich den Ironman Malaysia gewinnen konnte, solange ich weiter auf meinen Körper höre. Ich bin bereits 12 Tage vor dem Rennen auf Langkawi angekommen. Viel Zeit, um sich zu akklimatisieren, den Reisestress zu verdauen und Energie im schönen Meritus Pelangi Beach Resort zu schöpfen.

Mit gebrochenem Lenker die finale Rennvorbereitung meistern

Auf Langkawi angekommen, war mein Profil Design Lenker gebrochen. Zum einen war ich geschockt, zum anderen war ich in dem Moment sehr glücklich, dass ich meine Rolle eingepackt hatte. Meine Eltern hatten zwar gemeckert, warum ich dieses schwere und unhandliche Teil mit nach Langkawi schleppem musste, aber ich hatte mich durchgesetzt – zum Glück! Der Hauptgrund, warum ich die Rolle mitgebracht hatte, war, dass ich nach Osten hin sehr unter dem Jetlag leide, und mit der Rolle hinsichtlich meiner Trainingszeiten flexibel bin. Da kann ich auch schon mal um 4 Uhr morgens Rad fahren. Dieses mal bin ich wegen dem Schaden erst einmal viel Rolle gefahren. Vielen Dank an dieser Stelle an Profile Design und ihren malaysischen Distributor 2Escape, die schnell für Ersatz sorgten und mein Ceepo perfekt für den Renntag vorbereiteten. Auf Langkawi nahm ich nach und nach das Training wieder auf und die „HufeArbeitsteilung“ nahm Gestalt an. Meine Mutter leistete mir bei den Schwimmeinheiten im Meer Gesellschaft. Sie hatte mehr Spaß im Meer, wenn es wellig war, ich bevorzugte den ruhigen Ozean. Wenn ich auf der Rolle saß, half mir meine Mama mit der Wäsche. Mein Dad hat mich begleitet, wenn ich Laufen war und erledigte die Lebensmitteleinkäufe.

 

Die Rennwoche verging wie im Flug

Die Rennwoche war wie immer hier auf Langkawi kurzweilig und das nicht nur weil das Rennen schon am Samstag war. Ich war mit dem Training beschäftigt, mit einigen Aktivitäten für Ironman und Medienterminen. Wie jedes Jahr besuchten wir Profis das örtliche Kinderkrankenhaus und überreichten ein paar Geschenke für die jungen Patienten. Wieder war ich beeindruckt von der fürsorglichen Atmosphäre, die hier vorherrschte. Pressekonferenz, Interviews und das Ironkids-Event füllten die anderen Tage und plötzlich war der Renntag da! Es war mir eine Ehre, die Startnummer 1 zu tragen. Das hat mich im Training und im Rennen motiviert. Ich wollte zeigen, dass ich diese spezielle Startnummer wirklich verdient habe.

Schwimmen – Radfahren – Laufen: auf eine Neues!

Der Schwimmkurs ist der schönste, den ich je geschwommen bin. Ein Start vom weißen Sandstrand und zwei Runden zwischen dem Strand und zwei der unzähligen Inseln, die Langkawi hat, ist wirklich beeindruckend. Ich wusste, dass meine Schwimmform gut war, aber es war eine sehr gute Schwimmerin am Start und ich rechnete mit einem 3-4 minütigen Rückstand. Meine Schwimmzeit von knapp 58 Minuten war gut, daher hatte ich erwartet, dass ich sogar unter 3 Minuten zurückliegen würde. Es war ein kleiner Schock zu hören, dass ich 6 Minuten auf sie verloren hatte. Eine wahnsinnig tolle Schwimmleistung von ihr!

„Ok, nun auf dem Rad drücken, um die Lücke zu schließen!“, dachte ich, als ich zu meinem
Ceepo Shadow rannte. Der Radpart war alles andere als langweilig. 45 Minuten vor unserem Start gingen rund 1000 Athleten über die halbe Distanz ins Rennen. Ich habe auf dem Rad viele von ihnen überholt und mindestens 20 Leute  gesehen, die in ihren Laufschuhen statt in Radschuhen fuhren. Das war der Moment, in dem ich mich entschloss, meine Radschuhe nach dem Rennen zu spenden. Bei km 40 bin ich in ein Unwetter gefahren: Starkregen kombiniert mit einem Sturm. Etwa 10 Minuten lang gab es keine Möglichkeit, in der Aero-Position sicher zu fahren. Ich navigierte um große Palmenäste und Wasserpfützen herum, während ich dabei noch viele Halbdistanz-Athleten überholte. Später im Rennen sassen 3 Affen mitten auf der Straße, eine rund 10-köpfige Entenfamilie querte die Straße, und ein Mädchen auf einem Roller schnitt mir den Weg ab. Ich war froh, Scheibenbremsen am Shadow zu haben, die vor allem auch bei den nassen Straßen schnell und zuverlässig reagierten. Bei 110 km hatte ich die 6-minütige Lücke zur Führenden geschlossen und nach Abschluss der 180 km langen Radstrecke hatte ich eine 5-minütige Führung herausgefahren. Mit der bei weitem schnellsten Radzeit konnte ich nicht nur die Führung übernehmen, sondern auch mit einem soliden Puffer auf einige schnelle Läuferinnen auf den Marathon gehen. Die Wechselzone war in einer klimatisierten Halle am Flughafen und angesichts des tropischen Klimas in Malaysia war es doch sehr verlockend, sich dort etwas mehr Zeit zu nehmen. Aber ich war „on a mission“ und es war keine Zeit zu verlieren. Ich startete den Marathon offensiv, aber noch kontrolliert. Normalerweise gehe ich an den Verpflegungsstellen nie, aber auf Malaysia habe mir die Zeit genommen, an jeder einzelnen Verpflegung anzuhalten, meinen Bioracer Speedsuit mit Eis zu füllen und mich gut zu verpflegen. Ich wusste, dass dies notwendig ist, um in den Tropen erfolgreich zu sein. Es ist immer heiß und feucht auf Langkawi, aber in diesem Jahr waren die Bedingungen besonders krass. Normalerweise hat man einige Wolken oder sogar Regen beim Laufen. In diesem Jahr gab es jedoch kein einziges Wölkchen, das das Laufen etwas leichter machte. Am ersten Wendepunkt bei KM 8 konnte ich sehen, dass ich schon einen 10-Minuten-Vorsprung hatte. Da wusste ich, dass, wenn ich meinen Lauf kontrolliert durchziehe, ich dieses Rennen wirklich gewinnen kann. So konzentrierte ich mich darauf, auf meinen Körper zu hören und keine Fehler zu machen, die meinen Sieg gefährden würden. Ich habe mir bei den Verpflegungsstellen ein bisschen mehr Zeit genommen, als ich unbedingt gebraucht hätte um wirklich sicher zu gehen. Ich fühlte mich die ganze Zeit gut und konnte meinen Vorsprung im Laufe des Rennens immer weiter steigern. Bei km 33 hatte ich eine 22-minütige Führung. Ich wollte aber nicht viel Tempo rausnehmen, weil ich Angst hatte, dass der Körper dann sagt: „Oh, fertig?!? Na dann fahre ich nun runter.“ Und ich würde es nicht gegebenenfalls nicht bis ins Ziel schaffen. Denn wie heisst das Motto des Ironman: „Anything is possible!“ Ich hielt die Spannung aufrecht und lief KM für KM konzentriert weiter. Die letzten Kilometer habe ich einfach nur genossen. Und nach 9:25 Stunden gewann ich den Ironman Malaysia! Damit hatte ich auch meinen Qualifikationsplatz für den Ironman Hawaii 2019 in der Tasche! Dankbar und glücklich umarmte ich meine Eltern.

 

 

 

 

Mission completed! Und da so viele von Euch danach gefragt haben: Ja, es gab Pizza Hawaii zum Abendessen!

Wohlverdiente Winterpause!

Meinen zweiten Ironman in der Saison 2018 zu gewinnen, war ein tolles Finish eines großartigen Jahres. Nachdem ich nach dem Rennen zwei Nächte drüber geschlafen hatte, entschied ich mich, nicht in Busselton beim Ironman Western Australia zu starten. Das lag nicht nur daran, dass ich den Ironman Malaysia gewonnen hatte, sondern vor allem daran, dass die Zeit vor dem Ironman Malaysia so schwierig war. Ich hatte es geschafft, mich gerade noch rechtzeitig für das Rennen wieder fit zu bekommen.

Und jetzt ist es Zeit für die Offseason. Viele Grüße, Mareen!