Open Water Swimming ist ein beliebter Trend, denn immer mehr Schwimmsportler zieht es in die freie Natur. Es müssen ja nicht gleich die ganz langen Distanzen wie bei einer Bodenseequerung oder im Winter die eiskalte Variante des Eisschwimmens sein, aber einfach mal in einen renaturierten Fluss oder See steigen und dort den sportiven Spaß an der Bewegung im Wasser wiederentdecken ist für viele Schwimmsportbegeisterte extrem reizvoll.

Der Eintönigkeit entfliehen
Sich im nicht gechlorten Wasser und in der natürlichen Umgebung dem nassen Element stellen, Freiheit spüren und an der frischen Luft seine Ausdauer trainieren, reizt immer mehr ambitionierte Schwimmsportler. Zudem sind in immer weniger Schwimmbädern ausreichend Trainingsmöglichkeiten vorhanden und viele haben einfach keine Lust mehr dort stundenlang Kacheln zu zählen. Ein Problem, das Mirjam Schall, Schwimmtrainerin und Extremschwimmerin nur zu gut kennt: „Wenn ich in der Halle oder im Freibad schwimme, denke ich nach jeder Bahn, jetzt kann ich eigentlich aufhören, denn ich bin ja angekommen. Das ist pure Langeweile und viel anstrengender, mich hier zu motivieren als im freien Gewässer“, sagt Mirjam, genannt „Mim“.

Schwimmen im freien Gewässer hat viele Gesichter. Für Einsteiger reichen oft schon ein paar hundert Meter im Baggersee, um sich erst einmal an die natürlichen Begebenheiten wie Strömung, trübes Wasser samt Fische oder Pflanzen zu gewöhnen. Wer Spaß daran hat, möchte dann schnell mehr und seine persönlichen Grenzen auf langen Strecken austesten.
Die Freaks bei extremen Ausdauer-Veranstaltungen wie beispielsweise der Bodenseequerung, bei der Bezwingung des Ärmelkanals oder der Straße von Gibraltar, der Fehmarnbelt-Querung zwischen der Insel Fehmarn und Dänemark und ganz Extreme sogar auch im Winter beim Schwimmen im Eiswasser.

Sport mit Tradition
Open Water Swimming, vor allem als Langstreckenschwimmen, hat in Deutschland seine ganz eigene sportliche Tradition: Seit 1995 gibt es die Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen vom Deutschen Schwimmverband ausgetragen als Wettkampfform. Doch es gibt auch Top-Strecken und Wettkämpfe für Jedermann und Triathleten. Dabei ist egal, ob es sich um Wettkämpfe in ruhigen Gewässern handelt, wie z.B. das berühmte Müritzschwimmen, das U-See Schwimmen in Düsseldorf sowie die vielzähligen Seeschwimm-Veranstaltungen am Bodensee, oder um Rennen in Flüssen, wie das Saale-Schwimmen in Halle oder den Flussbad Pokal in Berlin. Das Sundschwimmen von Rügen nach Stralsund (seit 1965) ist der älteste Langstreckenwettbewerb Deutschlands und findet jährlich in der Ostsee mit über 1000 Teilnehmern statt.
24-Stunden-Schwimmen sind beliebte Breitensportveranstaltungen in Freibädern und
werden oft nebeneinander als Staffel-, Mannschafts- und Einzelschwimmen durchgeführt. Die erreichten Strecken werden zusammengezählt, die Rangliste ergibt sich dann aus der Gesamtsumme der geschwommenen Kilometer. Für Einzelstarter ist das 24-Stunden-Schwimmen eine extreme Art des Langstreckenschwimmens. Sie schaffen bis zu 100 km in 24 Stunden.
Im Sinne einer Wettkampfdisziplin versteht die FINA unter Open Water Swimming Rennen in offenen Gewässern, die mindestens fünf Kilometer Länge haben. Bei Freiwasserweltmeisterschaften und Freiwassereuropameisterschaften werden Titel über
5 km, 10 km und 25 km vergeben. Seit 2008 ist der Schwimmmarathon über zehn Kilometer auch Olympische Distanz. Der Freiwasser Weltcup wird ebenfalls nur über die Zehn-Kilometer-Distanz ausgetragen. Längere Strecken werden seitdem im Freiwasser-Schwimm-Grand-Prix – in der Regel flussabwärts – geschwommen. Die längste Strecke ist mit 88 Kilometern Hernandarias-Paraná in Argentinien.

Doch Profis, die wirklich davon leben können, gibt es in dieser Randsportart so gut wie keine. Die Szene ist dagegen nach wie vor geprägt von Typen mit großer Leidenschaft für ihren Sport. Schwimmen als Outdoor-Sportvarianten hat zudem auch durch den Triathlon-Boom viele neue Anhänger gefunden, die jetzt mit Ehrgeiz ins offene Wasser steigen. Camps und Veranstaltungen, wo Interessierte lernen, worauf es beim Freiwasserschwimmen ankommt oder speziell als Wettkampfvorbereitung, werden deshalb immer häufiger angeboten.

„Das Schwimmen in offenen Gewässern ist nicht nur ein tolles Training, es kann einem völlig neuen Auftrieb geben, neue sportliche Ziele wecken und einem ganz viel Kraft für den Alltag schenken. Die Bewegung im offenen Wasser ist Freiheit pur und mein persönliches Lebenselixier“, sagt Mim und trifft den Spirit des Open Water Swimmings damit wohl ziemlich gut. Ein Sport für leidenschaftliche Individualisten. Aqua Sphere unterstützt seit Jahren leidenschaftliche Open Water Swimmer wie Mirjam Schall, Christof Wandratsch sowie Ex-Triathlet Faris Al-Sultan, jetzt begeisterter SwimRun Fan.

Ausrüstungstipps für Freischwimmer
Wer an keinem Wettkampf teilnimmt, wo in Sachen Ausrüstung das Regelwerk befolgt werden muss, sollte sich immer so ausrüsten, dass er sicher unterwegs ist und möglichst viel und lange Spaß bei der Sache hat. Heißt: je nach Wassertemperatur entsprechende Schwimmbekleidung oder Neopren, Schwimmbrille oder Schwimmmaske. Wer will nimmt auch Hilfsmittel wie Paddles, Schwimmbrett oder Schnorchel mit. Ein Muss ist eine Badekappe, da man über den Kopf sehr viel Wärme verliert. Diese sollte übrigens möglichst bunt und auffällig sein, um gut gesehen zu werden. Gute Sichtbarkeit ist vor allem in Gewässern, auf denen Boote und Surfer unterwegs sind, eine sehr wichtige Sache. Hier sollte auch eine Schwimm-Boje angehängt werden.

Eine Übersicht mit tollen Open Water Spots findet Ihr hier:                                                                                    https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1zITWKzeM7ZrCrpOsTvpoltTL3t0&usp=sharing