Zwischen Wahnsinn und Faszination!

Als ich damals die Einladung erhalten habe, bei den Red Bull Neptune Steps in Glasgow zu starten, war das für mich wie ein Lottogewinn. Das Event ist extrem spektakulär, es ist ein Kanal-Hindernislauf für Hochleistungssportler, bei dem die Strecke insgesamt 420 Meter beträgt.
 
Ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich gemeinsam mit Weltrekordhalter, Alain Simac-Lejeune aus Frankreich, der auf einer 25m Bahn ganze 102,234 km zurück gelegt hat und Ross Edgley aus Großbritannien, der im letzten Jahr in nur 157 Tagen (Weltrekord) die britische Insel komplett umschwommen hat, gemeinsam bei diesem Event starten durfte. Aber damit noch nicht genug. Wie sich später noch herausstellte waren auch einige Kampfschwimmer der Royal Navy (die Special Boat Service) am Start. 

Aber nun lasst mich euch von meinen verrückten Wettkampf erzählen. Als ich morgens ins Taxi eingestiegen bin, fragte mich der Taxifahrer, wohin es gehen soll. Ich sagte, in die Maryhill Road zum Red Bull Event. Darauf wurde der Taxifahrer neugierig und wollte wissen, was das für ein Event sei. Ich erklärte ihm, dass wir dort im Kanal schwimmen und über die Staustufen klettern. Daraufhin lachte der Taxifahrer und fragte mich, ob ich wüsste, dass das Wasser nicht sauber sei. Ich brummte ein bissel genervt vor mich hin. Beim Aussteigen lachte der Taxifahrer dann noch und wünschte mir mit den Worten „Good Luck Crazy Boy!“ viel Glück.

Endlich angekommen – Ab in den Kanal!

Als ich nun vor dem Kanal stand, ist mir tatsächlich aufgefallen, dass die Wasserqualität nicht gerade die Beste ist. Es roch ein bisschen nach abgestandenem Wasser. Aber nun gut, wenigstens war das Wasser in Bewegung, da jede Staustufe minimal geöffnet wurde.

Nachdem ich mir den Parkour detailliert angeschaut habe und meine Startunterlagen geholt hatte, ging es dann um 9 Uhr los. Ich war im ersten Heat, was sich wie sich erst später herausstellte, auch einer der schnellsten war. Als das Startsignal kam, ging das verrückte Rennen auch schon los.

Ich bin in der ersten Reihe gestartet, da ich mir eine komfortable Position erschwimmen wollte, dass war aber nicht möglich. Ich bekam von beiden Seiten sehr viel ab. Anders als beim Triathlon, konnte man in diesem engen Kanal aber nicht ausweichen. Entweder du schwimmst und kämpfst oder du hängst an der Schleusenmauer. Bis zum ersten Schleusentor habe ich gefühlt den ganzen Kanal ausgetrunken und mit Schmerzen am ganzen Körper zu kämpfen gehabt.


Einige Athleten haben durch die Auseinandersetzungen im Wasser ihre Neoprensocken und Handschuhe verloren. Auch mein Zeitnahmechip ging leider verloren und ich war froh, dass meine Schwimmbrille nichts abbekam. Im weiteren Rennverlauf wurde es nicht wirklich ruhiger, aber dafür hörten die Schmerzen auf. Vielleicht lag das auch am steigenden Adrenalinspiegel.

Die Kletterpassagen machten mir dagegen tatsächlich viel Spaß. Auch wenn mir das nur 6,5 Grad kalte Wasser entgegen peitschte. Und hier haben mir die Jungs der Royal Navy wirklich die Grenzen aufgezeigt. „Verdammt, waren die schnell!“ Als 9. im Ziel angekommen, war für mich dann auch klar, dass es vorbei war. Da nur die besten 5 aus jedem Heat ins Halbfinale einziehen. Und die besten 3 aus den Halbfinals dann im Finale starten.

Auf die Frage ob  ich hier nochmals starten werde, habe ich eigentlich bis zuletzt noch mit „Nein, auf gar keinen Fall!“ geantwortet. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, irgendwann wieder dort zu starten.