Paul Bieber ist ein Extremsportler und begeisterter Schwimmer aus dem Allgäu. Mehr Infos zu ihm findest Du hier in den Quick Facts.

Eigentlich wollte ich mich nach der erfolgreichen Ice Swimming German Open in Veitsbronn und der Weltmeisterschaft im Winterschwimmen in Bled (Slowenien) wieder voll auf die Red Bull Neptune Steps in Glasgow vorbereiten. Doch daraus wurde leider nichts.

Eisschwimmen in Veitsbronn

Ice Swimming German Open in Veitsbronn

Total übermotiviert habe ich nach der WM in Bled komplett auf die Regeneration verzichtet. Ich fühlte mich so stark und fit, dass ich nur daran dachte, die gute Form mit nach Glasgow zu nehmen. Ein Trugschluss, wie sich später rausstellte. Kurz darauf hab ich mir eine Nierenentzündung eingefangen und mit einer starken Grippe zu kämpfen gehabt. Mein Arzt hat mir die Einnahme von Antibiotika verschrieben und sprach vom Open-Window-Effekt. In diesem kleinen Zeitfenster nach einem Wettkampf ist der Körper besonders anfällig für Erkrankungen.

Anruf vom Gesundheitsamt 

 

Parallel zu meiner Grippe und der Nierenentzündung hat sich auch noch das Gesundheitsamt bei mir gemeldet und mitgeteilt, dass ich mit einer positiv erkrankten Person in Kontakt kam. So gesehen hing die weitere Saisonplanung am seidenden Faden. 

Das war schon hart, Panik macht sich breit und viele Dinge gingen mir durch den Kopf. Zumal ich ja auch Familie habe. Aber zum Glück fiel der darauffolgenden Test negativ aus. Und nach etwa 6 Wochen ging es mir gesundheitlich auch wieder besser.

Die Red Bull Neptune Steps in Glasgow wurden zur gleichen Zeit auf November in diesem Jahr verschoben. Aber auch alle weiteren Wettkämpfe wie z.B. die Masters EM, DM und Bayerische sind wegen der Corona-Pandemie verschoben oder sogar abgesagt worden. Nun stellte sich natürlich die Frage wie es weiter geht. Dafür verfolge ich diesen 3-Punkte-Plan. 

 

Punkt 1: Ziele setzen! 

Ich habe mir hierzu einen kleinen Plan erstellt. Darauf sind meine Ziele unterteilt in langfristige, mittelfristige und kurzfristige Ziele. Denn ohne Ziel, kann ich nicht wirklich trainieren. Ich brauche das als Motivationsschub.

 

Kurzfristig möchte ich wieder an mein Fitnesslevel von der WM in Bled kommen. Der Zeitraum den ich mir hierfür gebe, liegt bei etwa 2-3 Monaten. Das sollte auf jeden Fall klappen. 

 

Mittelfristig möchte ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Dabei ist mir aktuell eigentlich egal, ob Kurz-, Langdistanz oder sogar Openwater. Die ersten Trainingswettkämpfe plane ich in 3 Monaten ein. Hoffen wir, dass die Regierung und Schwimmverbände das „Go“ erhalten. 

 

Langfristig habe ich mir vier Hauptziele gesetzt. Dazu gehören drei Starts bei den Red Bull Neptune Steps in Linköping (Schweden) im September, in Glasgow (Schottland) und in Rennes (Frankreich) im November. Als Hauptziel habe ich für mich die Weltmeisterschaft im Eisschwimmen in Katowice in Polen im Februar 2021 gesetzt.

 

Punkt 2: Training trotz Corona!

Rennradtraining

Paul am #ballern auf dem Rennrad

Nachdem ja alle Hallenbäder geschlossen haben, habe ich mein Training leicht angepasst. Aktuell sitz ich ca. 200-400 km pro Woche auf dem Rennrad und trainiere fast jeden Tag mit Gewichten.

Ab Mai geht’s dann wieder regelmäßig ins Wasser. Hier schwimme ich dann 2-3x die Woche pro Einheit etwa 2-5 km im Bodensee. Ab Juni wird das Pensum dann auf 4-5x die Woche erhöht. Dabei achte ich auf folgende Dinge:

  • Die Boje ist mein bester Freund 😉
  • Ich schwimme überwiegend im Flachwasser bzw. Ufernähe
  • Bei Temperaturen unter 18 Grad verwende ich ein Neoprenanzug
  • Nicht ohne bunte Schwimmcaps
  • Ich bin niemals alleine

Der Plan mit den unterschiedlichen Einheiten wird individuell für mich von meinem Schwimmtrainer Michael Jeschke vom Aqua-Kolleg in Wasserburg erstellt. Ab und zu werden die Einheiten auch kombiniert. Dann radel ich 35km aus dem Allgäu zum Bodensee, schwimme dort 2-3km und fahr dann wieder 35km zurück.

Punkt 3: Nicht verrückt machen lassen!

Wichtig ist auch, nicht zu streng zu sich selbst zu sein. Auch wenn mal eine Trainingseinheit nicht wie gewünscht läuft, drehe ich nicht mehr gleich durch. Früher hat mich sowas emotional ziemlich mitgenommen. Das zieht dich nur komplett runter und die nötige Motivation ist dahin.

Ich tausche mich in der jetzigen Phase auch mit Trainingspartnern und anderen Athleten (auch aus anderen Sportarten) intensiver aus. Weil schon das Gespräch über sportliche Ziele, Trainingseinheiten und Material etc. für die Motivation sehr förderlich ist. Man ist füreinander da, gibt sich wertvolle Tipps und spricht sich gegenseitig Mut zu und bündelt die Kräfte.

So viel zu mir und meiner Saisonplanung in dieser unfassbar verrückten Zeit. Vielleicht war ja die ein oder andere Lebensweisheit dabei. 😉 Bleibt alle gesund und passt auf euch auf! Wir sehen uns hoffentlich bald mal wieder! ✌🏼 Euer Paul