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Wandel der Zeiten: Die Geschichte des Schwimmsports erlebte, wie ihr in unseren Special-Beiträgen nachlesen könnt, viele stürmische Zeiten. Die Schwimm- und Badekultur war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geprägt von Wasserleidenschaft im Wechsel mit wahrer Wasserphobie. Im 19. Jahrhundert wurde Körperkultur wieder großgeschrieben und auch öffentliche Badeanstalten erneut salonfähig.

Die Bewegung im Wasser wurde rehabilitiert, der Besuch einer Badeanstalt galt nicht mehr als unschicklich und wie in anderen europäischen Ländern erkennt man nun auch in Deutschland die gesundheitsfördernde Wirkung des Badens und Schwimmens an. Man beginnt zu bauen. Bis zur Jahrhundertwende sind in allen großen Städten Schwimmbäder und Badeanstalten zu finden, in denen anfangs allerdings Männer und Frauen zu getrennten Öffnungszeiten ins Wasser stiegen.

Schwimmtechniken entwickeln sich

Auch das Schwimmen als Sport- und Freizeitvergnügen wurde ab dem 19. Jahrhundert immer beliebter, diverse Schwimmtechniken entwickelten sich. Zuerst das Seitenschwimmen, bei dem die Schwimmer auf der Seite liegen und die Beine ziemlich unkoordiniert zusammengepresst haben. John Trudgen entwickelte das Hand-über-Hand-Schwimmen. Er schaute diese 1873 in England eingeführte Schwimmart, „Trudgen“ genannt, südamerikanischen Indianern ab. Die Arme wurden aus dem Wasser nach vorne geführt, ähnlich wie beim Seitenschwimmen, nur wechselte man stets von einer auf die andere Seite hin und her und führte einen Scherenbeinschlag zu jedem zweiten Armzug aus. Es war ein Vorläufer des Kraulens, das später vom Australier Richard Cavill weiterentwickelt und unter dem Namen “Australischer Crawl” bekannt wurde. Die Einheimischen der Solomon-Inseln, die den Kraulbeinschlag mit dem Überwasserarmzug kombinierten, waren Cavills Vorbild. Mit dieser Technik schwamm er 1902 bei den Internationalen Meisterschaften von Australien einen neuen Weltrekord (100 m in 1:03.89 min).

Die heutige Technik des Brustschwimmens geht übrigens auf einen Deutschen zurück: Ernst von Pfuel, der 1910 in Prag auch die erste Militärschwimmschule gründete. Neben Brust- und Kraulschwimmen kam 1934 auch noch Delfin hinzu. Die Amerikaner David Armbruster und Jack Sieg überzeugten mit der anfangs noch “Schmetterlingsbrustschwimmen” benannten Technik mit sehr guten Zeiten. Die Technik wurde aber erst Ende der 50er Jahre bei Wettkämpfen anerkannt.

 

Schwimmen wird olympisch

Olympische Spiele 1896 in Athen: Schwimmen wird olympisch und der Ungar Alfred Hajos gewann am 11. April über 100 Meter Freistil in einer Siegerzeit von 1:22,2 min die erste Schwimm-Olympiamedaille der Neuzeit. Die Schwimmwettkämpfe (vier Bewerber) fanden damals übrigens im offenen Meer in der Bucht von Piräus bei maximal 16 Grad Wassertemperatur statt. Frauen durften in Athen noch nicht teilnehmen. Pierre de Coubertin, der Gründer der modernen olympischen Bewegung war überzeugt, dass auch Frauen für den Wettkampfsport geeignet seien. 1912 in Stockholm gingen darum auch erstmals Frauen bei Olympischen Spielen an den Start. Erste weibliche Goldmedaillengewinnerin  wurde die Australierin Fanny Durack über 100 m Freistil. Sie war übrigens gleich schnell wie Alfred Hajos 1896 in Athen.

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