Triathlon - Mareen Hufe - Swim AU in Aqua Sphere
Es kommt ja doch gelegentlich mal vor, dass sich der Wunsch auf den Sieg oder einen der ersten Plätze nicht erfüllt. Dieses Mal wollen wir darum gerne von Profi-Triathletin Mareen Hufe wissen, welches Rezept sie für den Umgang mit Misserfolgen hat.

  • Was ist das Wichtigste für Dich, wenn Du nicht erreicht hast, was Du Dir vorgestellt/ vorgenommen hast?
    Ehrlicher Umgang mit sich selbst. Und dann Ursachenforschung statt Ausreden: Analyse woran es gelegen hat und Prävention für’s nächste Mal. Da bin ich sehr analytisch und versuche alles möglichst objektiv zu bewerten.
  • Berührt Dich eine Schlappe emotional? Kannst Du hier Emotionen, wie Wut, Trauer, Ärger nachgeben? Wie handhabst Du das für Dich, hast Du einen Tipp für Beginner?
    Klar berühren mich Niederlagen emotional. Ich starte als Triathlonprofi ja nicht aus monetären Gründen, sondern weil der Sport mir sehr am Herzen liegt. Weil ich ihn liebe. Ich lasse auf jeden Fall Emotionen zu und schlucke Frust und Trauer nicht runter. Aber es ist dann auch wichtig damit abzuschließen. Einen Punkt machen, daraus lernen, dann den Reset-Knopf drücken, nach vorne schauen und es das nächste Mal besser machen, bzw. den Fehler nicht wiederholen.
  • Welche Gespräche helfen Dir nach einem Misserfolg am meisten damit um zu gehen? Wie analysierst Du die Situation danach? Wie wichtig ist hier der Beistand von Familie, Freunden? Lässt Du Dir bei der Bewältigung, bei der Analyse von Deiner Trainerin helfen?
    Zuerst mache ich eine sachliche Analyse für mich selbst. Werte, Zahlen, Daten, Fakten und dann meine Emotionen. Dann folgen Diskussion und Ursachenforschung gemeinsam mit Trainer oder Trainingspartnern.
  • Aber auch Gespräche mit Freunden außerhalb des Sports und mit der Familie helfen. So bekommt man verschiedene Blickwinkel.
    Nachdem ich Meinungen von meinem Umfeld habe, mache ich eine abschließende Zusammenfassung für mich. Dabei versuche ich aber auf dem Teppich zu bleiben. Von einem Misserfolg geht schließlich die Welt nicht unter. Unheilbare Krankheiten sind wirklich schlimm, nicht aber ein verkorkstes Rennen.
  • Wie geht man mit negativen Berichten in den Medien (auch Social Medien) um?
    Freie Meinungsäußerung ist wichtig und richtig. Ich lese jede Meinung und denke darüber nach. Wenn es ansatzweise gerechtfertigt ist, finde ich es gut. Das gibt auch mir Denkanstöße und beeinflusst vielleicht auch mein Handeln.
  • Wie schaffst Du es, aus dem Zustand der Emotionen, der Zweifel ins Analysieren und dann ins Tun zu kommen?
    Ich setze mir selbst ein Zeitlimit, bis wann ich damit abschließen möchte. Dann wird der Schalter umgelegt und nicht mehr zurück, sondern nach vorn geschaut.
  • Hast Du eine Taktik, die bei Dir immer funktioniert? Ein Mantra, das Dich aufbaut oder so?
    Zurückblicken ist langweilig, man weiß ja was passiert ist. Spannender ist ein Blick nach vorn – auf das was kommt! Ich setze mir konkrete Ziele und überlege mir Wege, wie ich dahin komme. Und dann höre ich auf zu philosophieren und zu träumen und fange an zu TUN!
  • Wie wichtig ist es Dir hier Verbündete zu suchen?
    Ein stabiles soziales Umfeld ist sehr wichtig für mich. Es gibt mir Halt und Kraft. Das ist für mich von großem Wert und ein entscheidender Erfolgsfaktor.
  • Was ist Dein Motto nach einem Misserfolg? Jetzt erst recht? Das hat sich ja im Dezember gerade wieder bestätigt, als Du den 2. Platz beim Ironman in Australien gemacht hast.
    Jetzt erst recht hört sich für mich so nach Hau-Drauf-Methode an. Das ist oft der falsche Weg. Ich gönne mir eine Auszeit um Kraft zu sammeln und setze dann (überlegt) neu an. Bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii war ich 5 km vor dem Ziel auf einem für mich sensationellen 7. Platz  – und bin dann genauso sensationell explodiert. Im Nachhinein betrachtet, bin ich wahrscheinlich überhitzt. Flüssigkeit, Elektrolyte und Kohlenhydrate hatte ich genug, muskulär hatte ich keine Probleme, ich habe nur von außen nicht ausreichend gekühlt. Die „Jetzt erst recht“ oder Hau-Drauf Methode habe ich danach nicht angewandt. Ich versuche möglichst viel auf meinen Körper zu hören und gebe ihm Zeit bis er regeneriert ist. Mal dauert es nur 10 Tage, mal aber auch mehrere Wochen. Das muss ich abwerten und baue dann behutsam und mit Köpfchen wieder auf. Und dass ich auch gut laufen kann, habe ich mit einem Marathon in 3:10 h nach schnellster Radzeit dann beim Ironman Western Australia zeigen können.

Die Methode scheint sich ja zu bewähren! Danke für Deine Offenheit und Deine Tipps! Wir wünschen Dir für Deine Pläne in 2016 viel Glück!